Patrick Lipke und sein Team von Resourcify
Digitalisierung

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Es geht rund

Mitten in Hamburg findet man die Zukunft der Abfallwirtschaft. Die digitale Plattform des Start-ups Resourcify hilft Unternehmen, aus Abfällen echte Werte zu generieren.

Nur wenige Meter von Resourcify entfernt liegen Alster und die Prachtstraßen der Hamburger Innenstadt, auch Facebook Deutschland hat seine Büros in dem Gebäude am Domplatz. Die Räume von Resourcify sind hell und groß, rund 65 Mitarbeitende sind für das junge Unternehmen tätig. Und doch sind viele der Schreibtische leer.

„Wir haben das Büro Remote First aufgebaut. Die meisten Kollegen arbeiten vom Home Office aus“, erklärt Felix Heinricy. Gemeinsam mit Pascal Alich und Gary Lewis hat er 2015 Resourcify gegründet.
„Wir haben nur diesen einen Planeten“, sagt der 38-Jährige. „Wir verbrauchen Rohstoffe und produzieren Abfälle, als gäbe es kein Morgen mehr.“ Das soll sich ändern. Zum Beispiel durch die Art, wie Unternehmen mit ihren Abfällen umgehen. Abfälle werden häufig verbrannt. Das Unternehmen hat nichts davon – außer Kosten für die Entsorgung. Dabei handelt es sich um echte Schätze, die nur gehoben werden müssten. „Ich sehe Abfall nicht als Müll, sondern als Wertstoff“, sagt Felix Heinricy und seine Augen leuchten. Die Lösung für ein kosteneffizientes Abfallmanagement bietet Resourcify mit seiner Online-Plattform.
Wertstoffmanagement und Recycling von Resourcify
Kaffeekapseln

Nach Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe verbrauchten die Deutschen pro Jahr allein über 3 Milliarden Kaffeekapseln - ein Müllberg von 13.500 Tonnen Aluminium-, Plastik- und Papierabfällen.

Die Software bringt Abfallverursacher, Entsorger und Verwerter zusammen. Kunden und Partner können den gesamten Ablauf der Entsorgung und Verwertung mit der All-in-one-Plattform koordinieren und auswerten. Die Informationen zu Abfällen, Mengen und Entsorgung werden lückenlos und sicher miteinander verknüpft. Kunden haben jederzeit transparent im Blick, wie viele Abfälle sie produzieren und möglichst sortenrein sortiert haben. Entsorger optimieren auf dieser Basis ihre Angebote und stellen Rechnungen. Verwerter berechnen anschließend, zu welchen Preis diese Wertstoffe angekauft werden. Resourcify nutzt die anonymisierten Daten, um Kunden ähnlicher Branchen bei ihrem Abfallmanagement zu beraten.

„Wir sehen den Vergleich zu anderen Unternehmen, die ähnliche Abfall-Zusammensetzungen haben“, sagt Felix Heinricy. „Das ist das Wunderschöne an Daten: Sie sprechen meistens die Wahrheit.“

Unternehmen wie Resourcify, die im Bereich der Kreislaufwirtschaft Lösungen entwickeln, sind entscheidend, um Deutschland zu transformieren. Start-ups benötigen aber ausreichend Wagniskapital, um ihre Innovationen erfolgreich im Markt zu platzieren. Hier kommt KfW Capital ins Spiel.

„KfW Capital investiert in VC-Fonds wie beispielsweise Ananda Impact Ventures und HTGF, die in Resourcify investiert sind, und trägt dazu bei, das VC-Ökosystem zu stärken“, erläutert Dr. Jörg Goschin, Geschäftsführer KfW Capital.
 Wertstoffmanagement und Recycling von Resourcify
"Ich sehe Abfall nicht als Müll, sondern als Wertstoff.“

Felix Heinricy, Co-Geschäftsführer Resourcify

Der Schwerpunkt der Abfallwirtschaft verlagert sich immer mehr auf die nachhaltige Bewirtschaftung wertvoller Ressourcen. Es geht um die Wiederverwendung und Verwertung von Produkten, Verpackungen und Materialien. Zero Waste nennt sich dieses Konzept der Zukunft.
„Die Gesetzgeber aller Staaten, ganz gleich ob China, Europa oder USA, haben dazu konkrete Vorstellungen. Sie wollen sekundäre Rohstoffe und Kreisläufe fördern“, sagt Heinricy.
Die EU stellt darüber hinaus eigene Regeln auf: Ab 2025 werden Unternehmen als sogenannte Abfallverursacher mit der Corporate Sustainability Reporting Directive verpflichtet, über Abfälle und deren Recycling Auskunft zu geben.

Ob Fastfood-Kette McDonalds, Baumärkte von Hornbach, Pharmakonzerne, Krankenhäuser oder Werften: Die Kunden des Start-ups Resourcify stammen aus höchst unterschiedlichen Branchen und deren Abfallmengen sind gewaltig.

Da sich die Komplexität von Kunde zu Kunde zum Teil deutlich unterscheidet, unterteilt Resourcify diese Abfallverursacher in die Bereiche Retail, Manufacturing und Construction. Im Einzelhandel geht es vor allem um klassische Abfallgruppen wie Pappe, Bioabfälle, Kunststoffe, Metalle oder Altgeräte. In der Industrie wird die Entsorgung mit zum Teil gefährlichen Abfällen komplexer. Im Baugewerbe entsteht wiederum mehr Volumen, der Abfall ist deutlich schwerer.

Um dieser Vielzahl an Abfallgruppen gerecht zu werden, arbeitet Resourcify mit weit über 400 Entsorgern und Verwertern zusammen.

Häufig handelt es sich bei den Experten um lokale Firmen, alle sind digital an die Plattform angebunden und melden Informationen über die eigenen Systeme zurück. Alle Beteiligten haben so in Echtzeit Zugriff auf relevante Daten. Die Software schlägt sogar Optimierungsmöglichkeiten vor. Resourcify-Kunden wie McDonalds oder Hornbach sind in der Lage, die Abfallwirtschaft ihrer Filialen miteinander zu vergleichen.

„Wir wollen Unternehmen dabei unterstützen, dem Zero-Waste-Ziel näher zu kommen“, unterstreicht Heinricy. „Wir glauben, dass Unternehmen nur durch eine Datentransparenz wissen, was sie überhaupt optimieren können.“ Da er gesamte Prozess digitalisiert ist, lassen sich Effizienzen herausziehen: „Datenschätze werden zu realen Werten und wir heben diese Werte mit unserer Plattform“ sagt Heinricy. Das Ziel ist eine abfallfreie Zukunft.
„Dafür wollen weiter stark wachsen und internationalisieren, um in Europa die Entsorgungsplattform Nummer eins zu werden.“ Und das klingt überhaupt nicht nach Science Fiction.

Auf KfW Stories veröffentlicht am 6. November 2023.