Die Gründerinnen von Tandemploy im Porträt
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Jobsharing als Geschäftsidee

Tandemploy etabliert Jobsharing in Unternehmen. Für die beiden Gründerinnen Anna Kaiser und Jana Tepe ist flexibles Arbeiten das Modell der Zukunft. Ein Porträt des Start-ups aus Berlin.

Die besten Ideen kommen oft spontan, aus dem Bauch heraus. Und sind sie erst einmal in der Umlaufbahn, müssen sie verwirklicht werden. Es ist ein bisschen so, als würde man sich verlieben. So war das auch bei Tandemploy. Eine Idee überkam Jana Tepe und Anna Kaiser und ließ sie nicht mehr los.

Jana Tepe, 26, studierte Kommunikationswissenschaftlerin, hatte damals ihre erste Festanstellung in einer Berliner Personalberatung, die Arbeitskräfte an Start-ups vermittelte. Im Januar 2013 flatterte eine Bewerbung von zwei Frauen auf ihren Tisch, die sie neugierig machte: Ihre Lebensläufe waren im Puzzleformat – und zeigten, wie die beiden Bewerberinnen sich ergänzten. Tepe merkte, dass in der Idee Chancen für alle steckten: Viele Probleme des heutigen Arbeitsmarkts könnten so gelöst werden. „Damals suchten viele hochqualifizierte Menschen nach Angeboten, die sie flexibel umsetzen wollten. Allerdings stießen sie dabei oft an Grenzen“, so Tepe.

Geteilte Arbeit

Tandemploy gewann 2016 den Publikumspreis beim KfW Award Gründen - ein Jahr später ziehen sie Bilanz (KfW Bankengruppe/n-tv).

Nach dem Gespräch mit den beiden Bewerberinnen war Tepe so angetan, dass sie ihre Gedanken teilen musste – und lief ihrer Kollegin Anna Kaiser in die Arme. Kaiser, damals 29, hatte auf Lehramt studiert, sich aber für die Arbeit in der Wirtschaft entschieden und bereits mehrere kleine Unternehmen gegründet. Der Funken sprang über. Noch am selben Abend fingen die beiden an zu recherchieren.

„Die Idee des Jobsharings, auch in hochqualifizierten Jobs, gab es in Deutschland schon in den 80er Jahren“, sagt Anna Kaiser. „Aber es war meist ein Zufallsprodukt und wurde nicht strategisch eingesetzt.“ Das wollten die beiden ändern. Ihre Vision: eine digitale Plattform, die potenzielle Jobpartner zusammenbringt und an Unternehmen vermittelt, die offen für innovative Lösungen sind. Alle profitieren: die Arbeitnehmer, weil sie flexibler arbeiten können, und die Arbeitgeber, weil sie mit einer Anstellung ein Vielfaches an Kompetenzen gewinnen.

Die Gründerinnen
Porträt der Gründerinnen von Tandemploy

Jana Tepe und Anna Kaiser haben gekündigt, um ihren Traum zu realisieren. Sie gründeten das Start-up Tandemploy, das flexibles Arbeiten ermöglichen will.

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Tepe und Kaiser nahmen Kontakt zu Wissenschaftlern auf, die im Bereich Personalmanagement oder Wirtschaftspsychologie forschten. Und fanden einen Programmierer – Rico Nuguid, heute CTO des Unternehmens. Gemeinsam entwickelten sie einen Algorithmus, der mögliche Tandempartner findet und verbindet.

Tandemploy funktioniert wie eine Online-Partnerbörse. Schließlich muss auch bei den Menschen, die sich einen Job teilen wollen, die Chemie stimmen. Es braucht gemeinsame Ziele und ähnliche Arbeitsweisen. „Aber es ist schon einfacher, einen Jobsharing-Partner zu finden, als den Partner fürs Leben“, sagt Kaiser.

Das Produkt ging durch die Decke. „Wir merkten, dass wir einen Nerv getroffen hatten“, sagt Tepe. Alle redeten von Flexibilisierung und digitaler Transformation – Tandemploy hatte eine konkrete Lösung parat. Die Nutzer der Plattform können sich kostenfrei anmelden. Die Firmen, die dort Jobs ausschreiben, zahlen eine Mitgliedschaftsgebühr. Und sie können sich mit dem Thema Jobsharing positionieren. Und Tandemploy? Bekam einen der begehrten Plätze im Microsoft Venture Accelerator – einem Förderprogramm für junge, digitale Start-ups.

Die Gründer erkannten schnell, dass ihre Jobsharing-Idee nur ein Mosaikstein war: Große Konzerne kamen auf sie zu und fragten, ob sie nicht auch interne Lösungen für Unternehmen finden konnten. Es ging darum, flexible Arbeitsmodelle überhaupt möglich zu machen. Das Trio zog in einen Altbau in der Choriner Straße in Prenzlauer Berg, stellte Mitarbeiter ein und entwickelte die Software „flex: workz“. Diese sorgt dafür, dass die Leute sich firmenintern finden – sei es für einzelne Projekte, als Mentor und Mentee, für Jobsharing oder auch für den Jobtausch. Das Beste daran: Jeder kann selbst aktiv werden. „Und mit einer Lösung auf den Chef zugehen, statt mit einem Problem“, so Tepe. Wer zum Beispiel die Arbeitszeit reduzieren will, kann sich selbst um einen Ersatz kümmern. 17 Mitarbeiter, die allesamt zwischen 25 und 42 Jahre alt sind, hat Tandemploy mittlerweile, bald sollen es 25 werden.

Zu den Kunden zählen Beiersdorf oder RWE Energy, aber auch viele mittelständische Unternehmen. Jene, die mit alten Denkmustern gebrochen und die ersten Schritte in eine flexiblere Arbeitswelt gewagt haben. Die beiden CEOs Tepe und Kaiser sind gefragte Rednerinnen auf Kongressen, Betriebsrätetagungen oder politischen Konferenzen. Dort berichten sie, wie man mit agileren Systemen auf den Wandel reagiert. Fragt man die beiden nach ihrem Antrieb, sagen sie: „Wir möchten die Arbeitswelt besser machen, ein Stückchen menschlicher.“ Das leben sie auch in ihrem eigenen Arbeitsalltag. Jeder Mitarbeiter darf seine Wunscharbeitszeit pro Woche individuell festlegen. Gearbeitet wird in drei Tandems und zwei Projektteams. Nur die beiden Gründerinnen arbeiten immer noch 40 Stunden die Woche. „Für Gründer ist das gut, die arbeiten oft 80 Stunden die Woche – wir teilen eben“, sagt Kaiser.

Die KfW fördert

Mit dem ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit, dem BMUB-Umweltinnovationsprogramm oder dem ERP-Mezzanine für Innovation finden Gründer bei der KfW verschiedene Förderprodukte für innovative Vorhaben.

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Im Büro gibt einen kleinen Schlafraum mit Matratzen und Hängematte, damit die Mitarbeiter sich zwischendurch ausruhen können. Jeden Dienstag kommt eine Yogalehrerin. Im Flur hängt eine Urkunde, die von Joachim Gauck unterschrieben ist. Der ehemalige Bundespräsident zeichnete das Start-up im Rahmen der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ aus. 17 Preise hat das junge Unternehmen bereits gewonnen. Microsoft prämierte sie als „Digitales Wirtschaftswunder“. Im Oktober 2016 wurde Tandemploy Berliner Landessieger beim KfW Award GründerChampions. Die KfW Bankengruppe ehrt damit vielversprechende Unternehmen in den ersten fünf Jahren ihrer Geschäftstätigkeit.

Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft, der Landesförderinstitute sowie der Industrie- und Handelskammern sitzen in der Jury. „Tandemploy hat eine echte Marktlücke entdeckt. Die Jury bewertet die Geschäftsideen nach ihrem Innovationsgrad sowie ihrer Kreativität und prüft, ob soziale Verantwortung übernommen wird. Hier konnte Tandemploy überzeugen“, sagt Christian Buhr, der bei der KfW die Abteilung für Unternehmensfinanzierung, Gründung und Bildung leitet.

Quelle
Cover CHANCEN Erfolg in der digitalen Welt

Das Start-up Tandemploy ist Teil der Fotostrecke „Unsere Gründer" in CHANCEN Frühjahr/Sommer 2017 „Erfolg in der digitalen Welt".

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Lobend wurde bedacht, dass Tandemploy „die weltweit erste HR-Software auf den Markt gebracht hat, die nicht von HR, sondern von den Mitarbeitern gesteuert wird“. Das Publikum durfte per SMS einen Publikumssieger küren – Tandemploy gewann. Auf der Bühne sagte Anna Kaiser: „Die Zukunft der Arbeit beginnt heute.“

Das haben zwei Business-Angels offensichtlich auch so gesehen: Das junge Unternehmen erhielt Ende Juni 2017 drei Millionen Euro von Werner Brandt, Ex-SAP-Vorstand, und Michael Kramarsch, Gründer einer Frankfurter Unternehmensberatung.

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Dienstag, 25. Juli 2017