Dr. Jörg Goschin und Alexander Thees
Gründen

Gründen

„Wir wollen ein Leuchtturminvestor werden“

Die Geschäftsführer von KfW Capital, Dr. Jörg Goschin und Alexander Thees, über die Wirkung des neuen Tochterunternehmens der KfW auf den Venture-Capital-Markt in Deutschland.

Zur Person
Dr. Jörg Goschin

Dr. Jörg Goschin ist promovierter Wirtschaftsingenieur, selbst Gründer und erfahrener Investment Professional, der über tiefe Marktkenntnis, breites fachliches Know-how und ein dichtes Netzwerk im Venture-Capital-Markt verfügt. Frühere Stationen seiner beruflichen Laufbahn waren Metzler, The Boston Consulting Group, BNP Paribas, Cerberus, Blackstone und ALSTIN.

Die KfW hat vor drei Jahren ihr Venture-Capital-Engagement neu aufgestellt. Was ändert sich mit der Gründung des Tochterunternehmens KfW Capital?

Alexander Thees: Das Ziel der Förderstrategie bleibt gleich: KfW Capital wird die Venture-Capital-Fondslandschaft mit ihren Investments beleben, damit mehr Kapital für junge, innovative Technologieunternehmen auf Wachstumskurs in Deutschland zur Verfügung steht. Wir werden das bisherige Engagement der KfW bis zum Jahr 2020 auf jährlich 200 Millionen Euro erhöhen. Als Finanzunternehmen mit 25 Mitarbeitern können wir marktnäher und schneller agieren. Bei unseren Investments verfolgen wir wie bisher einen hohen Qualitätsanspruch, da wir zu einem Leuchtturminvestor werden wollen, um weiteres Privatkapital zu hebeln. Damit sind wir auf einem guten Weg: Die Reputation der KfW aus den bisherigen Investments ist bereits hervorragend, nun wollen wir sie als KfW Capital weiter steigern.

Welche Investoren wollen Sie aktivieren?

Jörg Goschin: Aus dem privaten Sektor sehen wir insbesondere institutionelle Investoren wie Versicherungen und Pensionskassen, die traditionell wenig in der Asset-Klasse „Venture Capital“ investieren. Aber auch Stiftungen und Family Offices gehören dazu. Darüber hinaus würden wir sehr gerne auch Kapital aus dem Ausland für Investments in Deutschland gewinnen.

„Unsere Investments fließen über Fonds in Wachstumsunternehmen und fördern das VC-Ökosystem.“

Dr. Jörg Goschin, Geschäftsführer KfW Capital

Zur Person
Alexander Thees

Alexander Thees arbeitet seit 1996 in verschiedenen, seit 2002 leitenden Positionen in der KfW Bankengruppe. Er verfügt über geschäftspolitische und operative Erfahrung in der Mittelstandsfinanzierung sowie im Rahmen von strukturierten Finanzierungsaktivitäten. Bevor er den Aufbau der Beteiligungstochter übernahm, führte er die Abteilung Individualfinanzierung der KfW.

Und in welche Fonds werden Sie investieren?

Goschin: In unserem Investmentfokus stehen europäische Venture-Capital- und Venture-Debt-Fonds, die unter anderem auch in Technologieunternehmen in Deutschland investieren und an denen private Investoren die Mehrheit halten. Dabei ist das Fondsmanagement entscheidend: Wie gut können sie das Kapital, das wir investieren, in attraktive Technologieunternehmen weiterinvestieren? Was haben sie für einen Deal Flow und welche Netzwerke? Sind sie in der Lage, die Portfoliounternehmen weiterzuentwickeln und auch zu veräußern? Darüber hinaus werden wir auch in neu gegründete Fondsgesellschaften investieren und ihnen Chancen bieten, sich im VC-Markt zu etablieren. Diese sogenannten First-Time-Fonds werden oft von erfahrenen Investmentmanagern gegründet, haben es aber häufig schwer, Kapital einzuwerben, weil sie noch über keinen Track Record als Fonds verfügen, also keine Referenzliste erfolgreicher Investitionen aus der Vergangenheit haben.

Thees: Aber die einzelnen Teammitglieder können durchaus eine solche Historie haben, die dann als Grundlage für unsere Investmententscheidungen dienen kann. KfW Capital will hier einen Anschub leisten. Allerdings immer im Rahmen unserer Investmentstrategie, also mit maximal 19,99 Prozent des gesamten Volumens an solchen Fonds, in die mehrheitlich privates Kapital investiert ist.

„KfW Capital ist professionellen Fonds ein verlässlicher und nachhaltiger Partner.“

Alexander Thees, Geschäftsführer KfW Capital

Venture Capital

Von Venture Capital wird gesprochen, wenn Investoren sich an jungen Unternehmen beteiligen, die sich noch nicht am Markt etabliert haben, aber vielversprechend sind. Der Investor unterstützt die Gründer mit Beteiligungskapital in der Hoffnung auf eine hohe Rendite. Da eine positive Entwicklung eines so jungen Unternehmens jedoch alles andere als sicher ist, muss immer auch mit einem Totalverlust gerechnet werden. Mit gutem Grund wird daher von Wagniskapitalfinanzierungen gesprochen. Mit einer Investition in einen Venture-Capital-Fonds, der sich nicht nur an einem, sondern an mehreren junge Unternehmen beteiligt, lässt sich das Risiko immerhin streuen.

Ihr Hauptziel ist, deutsche Start-ups zu fördern. Wie stellen Sie sicher, dass das Kapital – wie beabsichtigt – den deutschen Firmen zugutekommt? Goschin: Bevor wir investieren, schauen wir uns den Investmentfokus des Zielfonds sehr genau an. Neben einer Ausrichtung auf innovative Unternehmen in der Wachstumsphase ist für uns entscheidend, ob der Fonds Deutschland auf seiner Liste der favorisierten Länder hat. Das ist übrigens auch gar kein saurer Apfel für die Fonds, im Gegenteil: Deutschland ist als Technologiestandort mit einer aufstrebenden Start-up-Szene sehr geschätzt. Gleichwohl verbinden wir unser Engagement zusätzlich mit der Bedingung, in deutsche Technologieunternehmen zu investieren. Das heißt, der Fonds verpflichtet sich, mindestens den gleichen Betrag, den wir bereitstellen, in deutsche Unternehmen zu investieren. Und das können bis zu 25 Millionen Euro sein, das ist unser maximaler Investitionsbetrag, oder maximal 19,99 Prozent des Fondsvolumens.

Favorisieren Sie bestimmte Technologien beziehungsweise Fonds, die in bestimmte Branchen wie E-Commerce oder Lifesciences investieren?

Thees: Am Ende wollen wir innovative Unternehmen fördern, wobei es uns weniger um eine bestimmte Technologie als vielmehr um eine Unternehmensphase geht. Die Fonds investieren in Unternehmen, die sehr stark und dynamisch wachsen und die für diesen Weg Wachstumskapital benötigen. Hier besteht derzeit eine Angebotslücke in Deutschland, vor allem weil es schlichtweg zu wenig Fonds hierzulande gibt. Wir wollen mit unseren Investments dazu beitragen, dass die Innovationskultur in Deutschland einen Schub bekommt.

Venture Debt

Venture Debt bezieht sich wie Venture Capital auf die Finanzierung eines jungen Unternehmens. Im Unterschied zu Venture Capital ist Venture Debt ein Fremdkapitalinstrument. Start-ups müssen regelmäßig Zins- und Tilgungszahlungen an die Investoren leisten.

Die Gründung der KfW Capital ist auch eine Initiative der Bundesregierung – ist sie auch an Investitionsentscheidungen beteiligt?

Thees: Was die Strategie und die Produktgestaltung angeht, stehen wir natürlich im engen Austausch mit den zuständigen Einheiten im Bundeswirtschafts- und Bundesfinanzministerium. Die operativen Entscheidungen aber sind die Sache der Geschäftsführung von KfWCapital. Ab einem gewissen Investitionsvolumen werden zudem die KfW als Gesellschafter und der Aufsichtsrat von KfWCapital einbezogen, in dem u.a. auch Vertreter der beiden Ministerien sitzen, einbezogen. Einen direkten Einfluss der Politik auf unsere Entscheidungen wird es aber nicht geben. Das will auch die Politik nicht.

Wollen Sie mit Ihren Investments auch Geld verdienen oder geht es dabei allein um Förderung?

Goschin: Wir verfolgen eine Förderstrategie, mit der wir den VC-Markt in Deutschland deutlich beleben werden. Dabei streben wir aber auch eine Verzinsung des eingesetzten Kapitals an. KfW Capital– mit dem High-Tech-Gründerfonds und den Beteiligungen an VC- und VD-Fonds – ist sehr breit aufgestellt. Wir gehen daher beim Gesamtportfolio davon aus, dass wir Gewinne erzielen werden, spätestens, wenn die Zielfonds ihre Portfoliounternehmen veräußert haben. Dabei erwarten wir die im VC-Geschäft typische J-Kurve: Das heißt, in der Anfangsphase entstehen Verluste durch früher Ausfälle einzelner Investments, die später durch Gewinne aus anderen Beteiligungen ausgeglichen werden. Wir beteiligen uns ja zu so genannten Pari-passu-Bedingungen an den einzelnen Fonds, das heißt, wir haben im Einzelfall die gleichen Chancen, tragen aber die gleichen Risiken wie alle anderen privaten Fondsinvestoren auch. Die Gewinne führen wir an die KfW ab, und diese stehen dann für weitere Förderungen zur Verfügung.

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Dienstag, 9. Oktober 2018