Das Team von HALM in ihrer Fertigungshalle
Gründen

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Nur Stroh im Kopf

Bauen mit Beton belastet das Klima. Dass es auch anders geht, zeigt Halm: Das Start-up fertigt Häuser aus Holz, Stroh und Lehm. Und auch sonst machen die Gründer einiges anders als eine herkömmliche Zimmerei. Für ihr ganzheitliches Konzept erhielten sie den KfW Award Gründen für Mecklenburg-Vorpommern.

Im kleinen Hohenbrünzow entsteht große Pionierarbeit, die eine Branche in Deutschland nachhaltig verändern könnte. Eine alte und weitläufige Gutsanlage dient als Sitz und Fertigungshalle von Halm. Dort, im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, sorgt ein Holz-Stroh-Modulsystem für klimapositives Bauen.

Halm Haus
(Quelle: KfW / n-tv)

Die Fertigungshalle von Halm, in der Mitarbeiter Module zusammenstellen

Im ehemaligen Getreidelager werden die Module der Häuser vorgefertigt. Hier ist viel Platz und das Wetter spielt keine Rolle – anders als auf den Baustellen draußen.

Halm steht stellvertretend dafür, wie innovative Gründungen erfolgreich sind und damit zur Stärke des Wirtschafts- und Innovationsstandorts Deutschlands beitragen. Gründungen sichern und schaffen Arbeitsplätze und wirtschaftliches Wachstum. Deshalb unterstützt die KfW Gründerinnen und Gründer – und das bereits seit mehr als 70 Jahren. Allein im vorigen Jahr erhielten junge Unternehmen in Form von Förderkrediten rund 4,2 Mrd. Euro.

Ein überraschendes Angebot

Ein Halm Mitarbeiter bedient einen Lastenkran in der Fertigungshalle

Seitdem die Krananlage im ehemaligen Getreidespeicher montiert wurde, lassen sich die Module einfach bewegen – eine große Arbeitserleichterung.

Mit seinen zwei Brüdern und drei Freunden hat Thorin Wäschle den Betrieb in Hohenbrünzow gegründet. Jetzt steht er auf einer Baustelle und beschreibt, wie hier gerade ein Dach entsteht: „Zunächst verbinden wir Holzbalken zu einem Rahmen und unterteilen ihn in Kassetten. In jede geben wir eine 34 Zentimeter dicke Schicht fest gepressten Strohs. Das braucht etwas Kraft, und anschließend hilft es, ein bisschen darauf rumzuspringen, damit alles ordentlich festsitzt.“ Herausstechende Halme werden abgefräst. Darüber gehört noch eine Folie, die gegen Feuchtigkeit schützt. Als letzte Schicht werden Holzelemente darauf geklammert – und die Innenseite des Satteldachs ist fertig. Später, wenn das Haus steht, kommen Ziegel oder eine andere Eindeckung auf die Außenseite.

KfW Award Gründen
Die Halm Gründer auf der Preisverleihung von KfW Award Gründen 2025

Thorin und Rüdiger Wäschle (v. l. n. r.) nahmen den KfW Award Gründen für Mecklenburg-Vorpommern entgegen.

Der KfW Award Gründen zeichnet in jedem Jahr 16 Landessieger und einen Bundessieger für ihre Geschäftsideen aus.

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Ein paar Meter weiter wird an einer Hauswand gearbeitet. Statt der Holzverkleidung ist hier ein Putz aus Lehm vorgesehen. Wie ein Kuchenteig wird er auf das Stroh gestrichen, gleichmäßig verteilt und sorgfältig eingearbeitet. Wenn er nach einigen Tagen durchgetrocknet ist, hebt ein Kran die Konstruktion behutsam an und dreht sie um, damit auch die zweite Seite bearbeitet wird. In den Wänden sind die Fenster dann bereits montiert – das spart viel Zeit auf der Baustelle.

24 Teile sind ein Haus

Mitarbeiter von Halm schneiden Holzrahmen zu

Eine Membranfolie dichtet das Stroh im Innenraum ab, sodass keine Feuchtigkeit eindringen kann.

2025 hat Halm zehn Häuser auf diese Weise gebaut. Das Start-up entwirft sie gemeinsam mit den auftraggebenden Personen und deren Architekturbüros, fertigt die einzelnen Module und stellt das Haus auf.

Wenn das Wetter mitspielt, wird bereits nach zwei bis drei Tagen das Richtfest gefeiert. Und das mit gutem Gewissen: „Unsere Häuser sind vom ersten Tag an klimapositiv. Holz und Stroh entziehen der Atmosphäre jede Menge Kohlenstoff, der im Gebäude gespeichert ist“, erläutert Thorin Wäschle. Konkret bindet ein Einfamilienhaus etwa 20 Tonnen. Für die Herstellung einer Tonne Zement werden im Gegensatz dazu ungefähr 590 Kilogramm CO2 in die Atmosphäre geblasen, und auch Dämmstoffe wie Mineralwolle oder Styropor haben einen immensen CO2-Fußabdruck.

Pioniere für den Wandel

Ein Haus mit den Modulen von Halm

Aus 24 Modulen besteht dieses Haus – in den Dachelementen und Wänden sind die Fenster bereits montiert. Das spart Zeit auf der Baustelle.

Doch nicht nur das Produkt, auch die Unternehmenskultur liegt ihnen am Herzen. HALM verzichtet auf Hierarchien: Entscheidungen fallen nur, wenn die Belegschaft sie mitträgt. Zudem sei das Start-up sehr familienfreundlich, betonen die Gründer, die insgesamt elf Kinder haben. Fast alle arbeiten in Teilzeit, damit genügend Zeit für die Familie oder eigene Projekte bleibt. Da sich die Aufgaben auf viele Schultern verteilen, sind sogar längere Elternzeiten oder Sabbaticals möglich. Rüdiger Wäschle sagt: „Unsere Firma muss sich tragen, aber superreich zu werden, ist nicht unser Ziel. Wir wollen etwas bewegen in der Branche – und auch hier vor Ort“.

Hohenbrünzow gehört zu den strukturschwachen Regionen in Mecklenburg-Vorpommern. Hier schafft Halm Arbeitsplätze und baut Netzwerke auf. So kommt der Fuhrunternehmer, der die Module auf die Baustelle fährt, aus der Nachbarschaft. Und bald soll auch das Stroh für ihre Häuser von den Landwirtschaftsbetrieben im Umkreis bezogen werden.

Bauen und Wohnen

Die KfW-Förderprogramme Bauen und Wohnen machen energieeffizientes und leistbares Wohnen möglich. Für alle, die bauen, kaufen oder sanieren möchten.

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Das Unternehmen beschäftigt drei Auszubildende, die hierher aufs flache Land kommen, wo Kneipe und Kino weit weg sind. Dafür gibt es Gleichgesinnte, und wer mag, engagiert sich über die Arbeit hinaus. Das gesamte Areal um das ehemalige Getreidelager wird zukünftig in einer Genossenschaft organisiert. Es gibt bereits eine Biobäckerei, eine Keramikwerkstatt, einen Kulturverein und im Sommer ein Festival für Jugendliche.

Passenden und bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen, ist zu einer der wichtigsten Herausforderungen in Deutschland geworden. Die KfW-Förderprogramme Bauen und Wohnen unterstützen dieses Vorhaben und berücksichtigen dabei Energieeffizienz und Klimaschutz. Für alle, die bauen, kaufen oder sanieren möchten.

Auf KfW Stories veröffentlicht am 13. März 2026