Landschaftsaufnahme eines Strandes bei wechselhaften Wetter mit dunkelen Wolken
Klimawandel

Klimawandel

Es bleibt unbeständig

Die Erderwärmung lässt das Wetter Kapriolen schlagen. Was das für den Sommer und unsere Urlaubsplanung bedeutet, erklärt ZDF-Meteorologin Dr. Katja Horneffer.

Das Jahr 2014 war weltweit das wärmste seit Beginn regelmäßiger Aufzeichnungen. Das Jahr 2015 war weltweit das wärmste seit Beginn regelmäßiger Aufzeichnungen. Das Jahr 2016 war weltweit das wärmste seit Beginn regelmäßiger Aufzeichnungen.

Drei Jahre in Folge wurde der jeweils gültige Rekord geknackt, das gab es noch nie. Und die globale Erwärmung lässt das Wetter immer unberechenbarer werden. Je wärmer unsere Atmosphäre ist, desto mehr Wasser kann sie aufnehmen. Je feuchter die Luft ist, desto höher wird ihr Energieinhalt. Das heizt den Stürmen ein, es facht sie an: Aus Stürmen werden Orkane. Wetterkapriolen nehmen zu.

Und was heißt das jetzt für die kommenden Sommer? Leider nichts. Gar nichts. Die Atmosphäre lässt sich nicht so einfach in die Karten schauen; und weder sind alle Prozesse in der Atmosphäre noch alle Prozesse im Ozean schon genau durchschaut und modellierbar. Unsere Prognosemodelle bleiben Stückwerk, auch weil die Eingriffe des Menschen mit einfließen müssen.

ZDF-Wetterfrau Katja Horneffer
„Zu viel vom immer Gleichen, das ist beim Wetter fatal.“

Dr. Katja Horneffer, Diplom-Meteorologin und Moderatorin im ZDF-Wetterteam

Die Wettermuster scheinen aus dem Tritt zu kommen

Durch die Dachbegrünung in Megastädten zum Beispiel werden versiegelte Flächen wieder dem natürlichen Wasserkreislauf zugänglich gemacht. Die Dächer absorbieren Strahlung, die heller Beton zurückgeworfen hätte. Auch die Abholzung des Regenwaldes, die Trockenlegung von Feuchtgebieten oder der Bau von Staudämmen haben allesamt Einfluss auf die globale Strahlungsbilanz, also auf das, was von der Erde ins All zurückgeworfen wird, nachdem die Sonne es uns kostenlos geliefert hat.

Doch selbst die bereits bekannten Wettermuster scheinen mehr und mehr aus dem Tritt zu kommen. Einem rekordwarmen März 2017 sind im April Spätfröste gefolgt, die Winzern und Landwirten arg zu schaffen machten. Ein großes Problem zum Sommeranfang ist die anhaltende Trockenheit besonders in Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt, nur an den Alpen hat es genug geregnet. So wäre also ein typischer mitteleuropäischer Sommer mit Wechsel aus Sonne und Regen hochwillkommen, und die Chancen darauf stehen 2017 nicht so schlecht!

Statt Frühbucherrabatt lieber Last-Minute-Angebote nutzen

Es sind die Starkwindbänder, die die Erdkugel umkreisen und immer mal wieder zum Teil sehr deutlich vom angestammten Kurs abkommen, sich verhaken und dann wochenlang andauernde Großwetterlagen bedingen. Zu viel vom immer Gleichen, das ist beim Wetter fatal. Anhaltende Trockenheit, die sich zur Dürre auswächst, beeinträchtigt die Landwirtschaft, die Ernte, die Trinkwasserversorgung und steigert die Wald- und Buschbrandgefahr. Starkregen dagegen führt zu Überflutungen und Schlammlawinen. Immer häufiger auftretende Unwetter mit heftigem Hagelschlag und starken Stürmen gefährden Glasfassaden und Solaranlagen.

Was bedeutet das für die Urlaubsplanung? Zunächst: statt Frühbucherrabatt lieber Last-Minute-Angebote nutzen! Die Wetterprognosemodelle sind für Zeiträume bis ein, zwei Wochen in die Zukunft recht zuverlässig. Wenn ich also heute weiß, wie das Wetter nächste Woche wird, kann ich entsprechend kurz entschlossen meine Reise planen.

Quelle
Cover Chancen Wärme

Dieser Artikel ist zuerst erschienen in CHANCEN Frühjahr/Sommer 2015 „Wärme“. Der Text wurde im Juni 2017 aktualisiert.

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Wer lieber langfristig plant, dem hilft nicht der Blick auf die Wetterkarte, sondern der auf die Klimatabelle. Aktivurlauber fühlen sich in den Bergen auch dann wohl, wenn es mal regnet. Wer Hitze hasst, peilt besser Nordeuropa an. Gebirgige Inseln bieten den Vorteil eines durch das Wasser gemäßigten Temperaturtagesganges und möglicherweise eine Luv- und eine Lee-Seite. Kommen Regenwolken von Westen, ist es auf der Ostseite, im Lee der Berge, eventuell wunderschön warm und sonnig, derweil sich die Regenwolken im Westen im Luv der Berge abregnen können.

Aber viele Deutsche machen sowieso am liebsten Urlaub in heimischen Gefilden. Deutschland belegt Platz eins bei den Reisezielen, nach dem Motto: Warum in die Ferne schweifen, wenn selbst dort „Sonne satt“ nicht mehr garantiert ist? Caravaning liegt übrigens auch im Trend. Mit dem Wohnmobil können Urlauber dem schlechten Wetter einfach davonfahren. Und sofern die Strecken, die sie dabei zurücklegen, nicht allzu lang sind, tun sie dabei sogar noch etwas für den Klimaschutz: Indem sie auf eine Flugreise verzichten, sparen sie Energie, Ressourcen – und sich vermutlich auch jede Menge Ärger!

Wo auch immer Sie ihn verbringen: Ich wünsche Ihnen einen schönen Sommer!

Veröffentlicht auf KfW Stories am: Donnerstag, 29. Juni 2017

Aktualisiert am: Donnerstag, 1. Juni 2017