druckfrische 500 Mark-Banknoten
Das Ende des DDR-Papiergelds

Das Ende des DDR-Papiergelds

Der Schatz von Halberstadt

Statt unter Tage zu verrotten, erwies sich das 1990 außer Kraft gesetzte DDR-Papiergeld als langlebig. Der Mythos des verborgenen Schatzes zog Diebe an, die sich in der Stollenanlage selbst gefährdeten. Dem setzte die KfW 2002 ein Ende und vernichtete den „Schatz von Halberstadt“.

Ab 1. Juli 1990 war das DDR-Papiergeld mit Einführung der D-Mark kein gültiges Zahlungsmittel mehr. Die Staatsbank Berlin nahm die Banknoten zurück und lagerte sie 1990/91 in einer Stollenanlage bei Halberstadt ein. Eingemauert und eingeschlämmt war man sich sicher, dass das Geld bald verrotten würde, was ein Gutachten 1992 bestätigte. Zeitungsartikel sahen die Banknoten daher als „Beute für Mikroben“ an, bzw. sprachen davon, dass das Geld so gesichert sei wie in Fort Knox. Zweifel daran kamen 2001 auf, als auf dem Sammlermarkt muffige Geldscheine auftauchten, die nie emittiert und druckfrisch bei Halberstadt eingelagert worden waren. Eine Prüfung durch die KfW – seit 1994 als Rechtsnachfolgerin der Staatsbank für das „Milliardengrab“ unter den Thekenbergen verantwortlich – ergab, dass sich Diebe illegal Zutritt zu den Stollen verschafft hatten. Zwei von ihnen wurden auf frischer Tat ertappt und zu Haftstrafen verurteilt.

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Ein Raub der Flammen

Um den Mythos des verborgenen Schatzes zu beenden und weitere Eindringlinge vor Gefahren im unterirdischen Labyrinth zu schützen, entschied sich die KfW nach Abwägung verschiedener Optionen für die endgültige Vernichtung der DDR-Banknoten. Hierfür wurden diese zunächst mit einem Radlader aus den Stollen herausgeholt und zur Vorbereitung einer Verbrennung in einem Trommelsieb von Steinen und Sand gereinigt. 50 Tage lang brachten täglich sechs Geld-Container mit einem Gewicht von insgesamt 3.000 Tonnen das Erbe der DDR zur Thermischen Restabfall-Vorbehandlungsanlage am Braunkohlewerk Buschhaus in Schöningen bei Helmstedt. Dort wurden die Scheine bei bis zu 1.200 °C zu einem Raub der Flammen.

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Eine einzigartige Sammlung

Ein kleiner Teil des Halberstädter Schatzes ist noch öffentlich zu sehen: Die KfW hat dem Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig für dessen neu gestaltete Dauerausstellung einige Banknotenbündel zur Verfügung gestellt. Seit 5. November 2018 präsentiert diese in einer Vitrine eine Sammlung von 500-Mark-Banknoten – darunter auch Scheine, die zuvor in Halberstadt eingelagert worden waren. Die Leihgabe gehört zu einer einzigartigen Sammlung: Als Rechtsnachfolgerin der Staatsbank Berlin übernahm die KfW auch deren Musterbestand an Münzen und Banknoten. Der einmalige Bestand gibt einen tiefen Einblick in den Entstehungs- und Entscheidungsprozess bei der Herausgabe von Münzen und Banknoten in der ehemaligen DDR und dokumentiert ein abgeschlossenes Kapitel deutscher Währungsgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Auf KfW Stories veröffentlicht am 12. Juni 2020.