Wenn die Füße kribbeln, die Zehen taub sind und jeder Tritt schmerzt, wird die Radtour zur Qual. Das Startup HEZO beendet solche Leiden - mit maßgeschneiderten Schuhen aus dem 3D-Drucker. Für diese innovative Idee wurde das Unternehmen als Landessieger Saarland mit dem KfW Award Gründen ausgezeichnet.
Wer den „Rad-Salon“ in Saarbrücken betritt, sieht zunächst nichts Ungewöhnliches: Markenräder, Zubehör, Kleidung und die Werkstatt nebenan. Doch im Hinterzimmer des Ladens sind über 30 3D-Drucker aufgereiht – das Herz von HEZO. Sie produzieren Schuhe für Radsport-Enthusiasten, die so individuell sind wie jeder einzelne Fuß.
Helen Wiehr ist Gründerin des Unternehmens und begeisterte Triathletin. „Aber wenn es aufs Rad ging, hatte ich ein Problem: Die Standardschuhe haben nie richtig gesessen und auf Dauer tut das natürlich weh.“ Das wollte sie ändern und widmete ihre Abschlussarbeit im Produktdesign-Studium diesem Thema. Ihr Ziel: ein Schuh, der wie eine zweite Haut sitzt.
HEZO Sports
(Quelle: KfW / n-tv)
Auftrag der KfW
Vom Foto zum Druck: Eine große Herausforderung für das Unternehmen war die Übertragung der erfassten Messdaten in Dateien für den präzisen 3D-Druck.
Der Wirtschaftsstandort Deutschland braucht innovative Start-ups wie Hezo. Sie ermöglichen Wertschöpfung, schaffen Arbeitsplätze und verringern Abhängigkeiten. Deshalb gehört die Förderung von jungen Unternehmen fest zum Auftrag der KfW: Mit dem KfW Award Gründen und verschiedenen Finanzierungsprodukten unterstützt sie gezielt die heimische Wirtschaft, wo es dringend notwendig ist. Im Jahr 2025 vergab die KfW rund 4,2 Mrd. Euro durch bewilligte Förderkredite für Unternehmensgründungen, Festigungen oder Nachfolgen.
Handarbeit: Auch die erforderlichen Näharbeiten hat sich die Gründerin selbst beigebracht und spezielle Maschinen dafür angeschafft.
Den Anfang leisteten Gipsabdrücke. Diese nahm Helen Wiehr von ihren Füßen und fuchste sich nicht nur in das traditionelle Schuhhandwerk, sondern auch in den 3D-Druck ein. Nach drei Monaten präsentierte sie der Prüfungskommission einen Schuh aus Merinogarn, der in eine gedruckte Außenhülle aus Kunststoff gesteckt wird – beides maßgeschneidert. Die Erfindung brachte ihr mehrere Preise ein. Und sie fragte sich: Könnte daraus nicht mehr werden, ein Unternehmen?
Mit zwei Mitstreitern beantragte sie eine EXIST-Förderung. Auch Investoren kamen an Bord. Das Team entwickelte die Idee weiter und setzte statt aufwändiger Gipsabdrücke auf eine Vermessung mittels Fotos, einfach aufzunehmen mit einer Smartphone-App. Zwar lieferte sie beste Messdaten, doch ein Schuh – im wahrsten Sinne des Wortes – wurde noch nicht daraus.
Der Wirtschaftsstandort Deutschland braucht innovative Start-ups
Aus einer Idee wird ein Unternehmen
KfW Award Gründen
Lohn der Mühen: 2025 wurde das Gründerpaar mit dem KfW Award Gründen für das Saarland ausgezeichnet.
Der KfW Award Gründen zeichnet in jedem Jahr 16 Landessieger, einen Bundessieger und ein Nachfolgeunternehmen für ihre Geschäftsideen aus.
Mehr erfahrenAls Helen Wiehr in einem Coworking Space Nils Hasler kennenlernte, erzählte sie ihm von den technischen Herausforderungen. „Ich kann mir das mal anschauen“, sagte der promovierte Informatiker – und begann zu tüfteln. Es gelang ihm, eine Software zu entwickeln, die den komplexen Part der Umwandlung der Fotos in 3D-Druckdaten löste. Plötzlich war es kein stundenlanger und fehleranfälliger Prozess mehr, sondern nur noch ein Mausklick. Ein Durchbruch! Hasler stieg ins Unternehmen ein.
Eine Membranfolie dichtet das Stroh im Innenraum ab, sodass keine Feuchtigkeit eindringen kann.
Bald gab es auch die ersten Schuhe, produziert von einem externen Dienstleister. Der Preis jedoch lag bei über 600 Euro. Für eine unbekannte Marke wollte das kaum jemand ausgeben. Die Bestellungen blieben aus. Auch das Team löste sich auf, und die Investoren zogen sich zurück.
Doch Helen Wiehr war zum Aufgeben nicht bereit. Unterstützt von Carsten Kaldenhoff, ihrem Partner und Inhaber des Rad-Salons, suchte sie nach einer kostengünstigeren Druckmethode. Auf einer Messe sahen sie sich Drucker für den Hobbybereich an. Deren Qualität war beeindruckend – sie kauften ein Gerät. Ihre ersten damit hergestellten Schuhe überzeugten nicht nur HEZO selbst, auch die saarländische Förderbank glaubte an die Idee und unterstützte mit einer Finanzierung. Die Investoren kehrten wieder zurück.
Nachhaltige Produktion und Zukunftsperspektiven
Perfekte Passform: So individuell wie jeder Fuß sind die Schuhe von HEZO – und damit drücken oder scheuern sie nicht.
Heute bietet HEZO drei verschiedene Modelle fürs Fahren mit dem Rennrad oder Gravelbike an. Die Außenhülle besteht aus thermoplastischem Polypropylen, daraus werden auch die Schraubverschlüsse von PET-Flaschen gemacht. Der Innenschuh ist aus einem weichen, waschbaren Kunststoffmaterial gefertigt. Der Clou liegt in der Verarbeitungstemperatur: Wird die Masse bei etwa 220 Grad gedruckt, reagiert sie wie Backpulver und schäumt auf. So entstehen Poren und Lufteinschlüsse, die einen Polstereffekt erzeugen. Durch eine gezielte Steuerung des Drucks kann HEZO also verschiedene Zonen im Schuh schaffen: flexibel, wo der Fuß Spielraum braucht, und fest, wo es stabil sein muss.
Hochwertig, langlebig und nach Maß
Antrieb: Gründerin Helen Wiehr hatte Probleme, die passenden Schuhe für ihre Touren zu finden – und erfand daraufhin selbst welche.
Aktuell produziert das Team bis zu 120 Paar Schuhe im Monat. Im ersten Stock hat Helen Wiehr ein „Nähzimmer“ eingerichtet, hier prüft sie die Einzelstücke, gibt ihnen einen letzten Feinschliff und bringt die Verschlüsse an. „Nachhaltigkeit ist uns wichtig“, betont sie. „Unsere Schuhe sind langlebig, bestehen aus einem Monomaterial und kommen ohne Klebstoff aus. Dadurch lassen sie sich vollständig recyceln, wenn sie doch einmal ausgedient haben.“
Für das Team sind die Radschuhe erst der Anfang. Denn die Technologie lässt sich auch auf andere Anwendungen übertragen, etwa auf Laufschuhe. Der passionierte Kletterer Nils Hasler träumt bereits von maßgefertigten Kletterschuhen für entspannte Routen am Fels. Welche Sportarten HEZO als Nächstes erobert, bleibt spannend. Eines ist sicher: Die Füße werden sich freuen!
Auf KfW Stories veröffentlicht am 28. April 2026
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