Die Welt der technischen Kunststoffe ist komplex, weshalb die Stoffe bisher kaum wiederverwertet werden. Das Dresdener Unternehmen HolyPoly will das ändern und entwickelt zusammen mit der Industrie Sammelsysteme und Recyclinglösungen – für ein weiteres Leben der wertvollen Stoffe.
Ihr Kunststoff-Kreislauf mit Rücknahmesystemen, Recyclingprozessen und Produktdesign brachte dem Dresdner Start-up den Landessieg Sachsen des KfW Award Gründen 2025 ein. Eine Geschäftsidee mit einem unglaublichen Skalierungspotenzial, denn: „Nur zehn Prozent der weltweiten Kunststoffproduktion von mehr als 400 Millionen Tonnen pro Jahr wird bisher wiederverwertet“, rechnet Fridolin Pflüger vor, Mitglied der Geschäftsführung von HolyPoly. Der Rest wird verbrannt, landet auf Deponien oder im schlimmsten Fall in der Umwelt. Um das zu ändern, entwickelt das Start-up gemeinsam mit der Industrie Recyclinglösungen – so wie im Fall der Waschmaschinen-Blenden eines Schweizer Herstellers.
Plastik neu gedacht
(Quelle: KfW / n-tv)
Spezialist für neue Stoffströme
„Unser Ziel ist, Neukunststoff durch hochwertige Rohstoffe zu ersetzen, die bisher im Müll landen“, sagt Pflüger. Und zwar, indem HolyPoly ausrangierte technische Kunststoffe wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückführt.
Innovative Start-ups wie HolyPoly bereichern und stärken den Wirtschaftsstandort Deutschland. Sie diversifizieren, schaffen Arbeitsplätze und verringern Abhängigkeiten. Kein Wunder, dass sich die KfW der Förderung von Gründungen und jungen Start-ups verschrieben hat: Mit dem KfW Award Gründen und verschiedenen Finanzierungsprodukten unterstützt sie gezielt die heimische Wirtschaft, wo es dringend notwendig ist. Im Jahr 2025 vergab die KfW rund 4,2 Mrd. Euro durch bewilligte Förderkredite für Unternehmensgründungen, Festigungen oder Nachfolgen.
Ein überraschendes Angebot
Team mit Tatkraft: Um aus alten Bohrmaschinen Rohstoffe für neue Geräte zu gewinnen, hat HolyPoly ein eigenes Sammelsystem aufgebaut.
HolyPoly will neue und nachhaltige Stoffströme aufbauen, wie Florian Pflüger es nennt. Denn die Produktion von Neukunststoffen ist CO2-intensiv und braucht viel Erdöl und Erdgas.
Bisher kommen Rezyklate – also Rohstoffe aus Altplastik – nur bei wenigen Kunststoffsorten wie PET überhaupt in größerer Menge zum Einsatz. Das grüne Plastik hat es schwer, sich wirtschaftlich gegen die fossile Konkurrenz zu behaupten. Zu günstig ist Primärplastik wegen des im langjährigen Vergleich immer noch relativ billigen Öls und globaler Überkapazitäten. Die Konsequenz: Mit Ausnahme von Kunststoffverpackungen stagniert das Plastikrecycling in Europa.
„Nur zehn Prozent der weltweiten Kunststoffproduktion wird wiederverwertet."
Altplastik für neue Bohrmaschinen
KfW Award Gründen
Matthias Röder und Fridolin Pflüger (v. l. n. r.) bei der KfW Award Gründen Preisverleihung 2025.
Der KfW Award Gründen zeichnet in jedem Jahr 16 Landessieger, einen Bundessieger und ein Nachfolgeunternehmen für ihre Geschäftsideen aus.
Mehr erfahren„Was wir im Kern ändern wollen, ist die Einkaufsentscheidung der Unternehmen“, sagt Pflüger. Dafür braucht es neue Ansätze. Beispiel Polyamid 6 (PA6), aus dem die Gehäuse von Bohrmaschinen bestehen. Jährlich fallen 15.000 Tonnen dieser Abfälle an; Recyclingquote bisher gleich null. Zwar werden ausrangierte Werkzeugmaschinen über das Altgeräte-Sammelsystem der EU erfasst. „Doch die Recycler verwerten vor allem Metalle wie Kupfer, weil sich das angesichts hoher Verkaufspreise lohnt“, berichtet Pflüger. „Die Kunststofffraktion der Gehäuse ging bisher verloren.“
Eine Membranfolie dichtet das Stroh im Innenraum ab, sodass keine Feuchtigkeit eindringen kann.
Um zu zeigen, wie es besser geht, hat HolyPoly zusammen mit Bosch und weiteren Partnern ein eigenes Verwertungssystem im Pilotmaßstab kreiert. Tausende ausrangierte Maschinen von Dutzenden Betrieben hat das Start-up gesammelt, hat die Kunststoffe extrahiert, mit etablierten mechanischen Verfahren zerkleinert und zu Granulaten aufbereitet. Jetzt können diese mit Neuware in puncto Haptik, Optik und Qualität konkurrieren. Bosch setzt diese neuen Altkunststoffe mehrheitlich in neuen Bohrmaschinen ein – als erster Werkzeugmaschinenbauer überhaupt: Der PA6-Kreislauf ist geschlossen.
Verantwortung für Kreislaufwirtschaft
Rohstoffe statt Reste: HolyPoly bereitet Altkunststoff so auf, dass Granulate übrigbleiben, die Rohstoffe für neue Produkte werden.
Dass das auch in anderen Industriezweigen gelingt, zeigen Kooperationen mit Herstellern von Babyflaschen und Plastikspielzeug. Pflüger stellt dabei klar: „Als Unternehmen im Verantwortungseigentum sind wir unserer Mission verpflichtet, nicht unseren Investoren.“ Doch wenn es gelingt, immer mehr Kreisläufe mit neuen Stoffströmen wirtschaftlich zu schließen, dürften die Investierenden zufrieden sein. Dafür arbeiten im derzeit 30-köpfigen HolyPoly-Team Umwelt-, Chemie- und Verfahrensingenieure. Außerdem existiert ein breites Netzwerk aus freiberuflichen Expertinnen und Experten.
Mit diesen bauen die Dresdener eine Wertschöpfungskette und ein Know-how im Recyclingmarkt auf, wie es sie bis dato noch nicht gab: von der Sammlung, Sortierung und Aufbereitung von Altkunststoffen über die Beratung bis zur Produktion und Lieferung neuentwickelter Recyclingrohstoffe.
„Die Größenordnung, in der wir denken, ist, etwa ein halbes Prozent der weltweit neu produzierten technischen Kunststoffe in fünf bis zehn Jahren zu ersetzen. Das wären etwa 500.000 Jahrestonnen.“ Und zwar an hochwertigen Stoffen, die heute noch Abfall sind.
Auf KfW Stories veröffentlicht am 27. März 2026
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