Unitechnik stattet Afrikas größtes Zentrum für Luftfracht aus
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Afrikas größte Luftfrachthalle

Äthiopiens boomende Exportwirtschaft freut sich über Afrikas größtes Zentrum für Luftfracht. Geplant und ausgestattet wurde das Großprojekt von Unitechnik, einem deutschen Mittelständler.

Kooperation für mehr Infrastruktur

Wie aus einem Großprojekt die größte Luftfrachthalle Afrikas wurde (KfW Bankengruppe/muthmedia).

Selbst der Ministerpräsident kam zur Eröffnung. Hailemariam Desalegn weihte im Sommer 2017 am Flughafen der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba das Cargo Terminal II ein. Kernstück des Areals ist die Luftfrachthalle, in der 600.000 Tonnen Fracht im Jahr umgeschlagen werden können. Sie ist die größte auf dem afrikanischen Kontinent. Einen Superlativ beschert sie auch ihrem „Innenarchitekten“, der deutschen Unitechnik. Mit einem Auftragsvolumen von knapp 33 Millionen Euro ist die Halle das „größte Einzelprojekt“ der Firmengeschichte, sagt Geschäftsführer Torsten Ley.

Das Unternehmen aus Wiehl im Bergischen Land, ein Spezialist für Distributions- und Logistiktechnik, hat sich am Bole International Airport auf bereits bekanntem Terrain bewegt. Auch das wesentlich kleinere Cargo Terminal I hat Unitechnik gebaut, zwischen 2004 und 2006. Und damit den Einstieg in den afrikanischen Markt gewagt.

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Äthiopien
Unitechnik - Landkarte Äthiopien

Das Land am Horn von Afrika bietet noch weitere Superlative: Mit 102 Millionen Einwohnern ist es das bevölkerungsreichste Land der Erde ohne Küste. Es verfügt über die meisten afrikanischen Stätten, die zum Unesco-Welterbe gehören. Nicht zu vergessen: Es gilt als eine Wiege der Menschheit und als einer der Ursprungsorte des Kaffees. Dennoch zählt es zu den ärmsten Ländern der Erde, hatte aber 2015 mit 10,2 Prozent das größte Wirtschaftswachstum der Welt.

„Machen wir das überhaupt?“, haben sie sich damals in Wiehl gefragt, erinnert sich Vertriebsleiter Michael Huhn. Auf der Risikoskala für Auslandsinvestitionen stand Äthiopien immerhin ganz oben. Und wie zur Bestätigung der Befürchtungen brachen Unruhen im Land aus, während das Unitechnik-Team vor Ort war. Die Mitarbeiter waren vorher von der Auslandskammer geschult worden und hatten dabei auch gelernt, sich in Gefahrensituationen richtig zu verhalten. Aus dem Projekt „sind wir gelassen herausgekommen“, zieht Geschäftsführer Ley als Fazit.

Das Wagnis damals hat sich gelohnt. Ethiopian Airlines beauftragte 2013 den deutschen Mittelständler mit der Planung und der technischen Ausstattung für das Cargo Terminal II, das fünfmal größer als sein Vorgänger ist. Mitentscheidend war, dass Unitechnik dem Auftraggeber auch eine Finanzierung vermitteln konnte.

Dabei betrat die Firma Neuland: Erstmals fanden Gespräche mit der KfW statt. Die KfW IPEX-Bank stellte Ethiopian Airlines schließlich einen Kredit über 32,8 Millionen Euro bereit, der über den deutschen Exportkreditversicherer Euler Hermes gedeckt ist. Damit bezahlt die staatliche Fluglinie Äthiopiens den Unitechnik-Anteil an der Gesamtinvestition von 120 Millionen Euro.

„Gerade für den Weg in afrikanische Länder ist die Absicherung von Exporten und Projekten über die bewährten Deckungsinstrumente staatlicher Exportkreditversicherer wichtig“, sagt Andreas Ufer, Geschäftsführer Transportsektoren und Treasury der KfW IPEX-Bank.

Unitechnik stattet Afrikas größtes Zentrum für Luftfracht aus

Die Luftfrachthalle in Addis Abeba ist 22 Meter hoch und nimmt eine Fläche von fünf Fußballfeldern ein. Errichtet hat sie ein äthiopischer Bauunternehmer, mit dem sich Unitechnik die Rolle als Generalunternehmer teilte. Ein sechsstöckiges Hochregallager mit Platz für 1.000 Luftfracht-Container füllt die Halle. Vollautomatisch arbeitende Regalbediengeräte, gesteuert von Unitechnik-Software, bewegen die Container. An Packstationen können sie be- und entladen werden. Auch der Zoll prüft hier die Warenimporte. Das Besondere: Da Äthiopien vor allem Lebensmittel und Schnittblumen exportiert, kann in der Hälfte der Halle verderbliche Ware gekühlt werden.

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Ganz nach Plan

Sebastian Sommer war rund 30-mal in Addis Abeba, damit Unitechnik die passenden Logistiksysteme für den Frachtumschlag am Flughafen installieren konnte.

Für Aufträge wie diesen hat der Software-Entwickler Unitechnik mit dem Hardware-Produzenten Amova aus dem Siegerland ein Joint Venture unter der Marke Acunis gegründet, dessen Arbeitsteilung Michael Huhn mit einem charmanten Lächeln so beschreibt: „Amova liefert die Maschinen, wir das Gehirn.“

Sebastian Sommer war in den vergangenen beiden Jahren rund 30-mal in Addis Abeba. Der 31-Jährige leitet bei Unitechnik das Projekt. Vor Ort spürte Sommer schnell, dass das neue Luftfrachtzentrum in Äthiopien zu den bekanntesten Infrastrukturvorhaben zählt, wie etwa auch die kürzlich eingeweihte Stadtbahn der Hauptstadt: „Der Stolz auf solche Leuchtturmprojekte ist sehr groß.“

Die Aufgabe Sommers und seines Teams von bis zu 20 Unitechnik-Mitarbeitern vor Ort war hochkomplex – was nicht nur an den technischen Prozessen innerhalb der Frachthalle lag. Sie mussten auch die möglichst konfliktfreie Ein- und Ausreise ausländischer Mitarbeiter sowie reibungslose Zollabfertigungen organisieren. Und eine eigene Logistik vor Ort aufbauen, galt es doch insgesamt 260 Container mit Material aus Deutschland zur Baustelle zu bringen.

Unitechnik stattet Afrikas größtes Zentrum für Luftfracht aus

Als Generalunternehmer musste Unitechnik dabei immer auch die „vielen Lieferanten aus vielen Ländern“ im Auge haben. Die „zu motivieren war eine Herausforderung“, sagt Huhn, denn die Partner müssen beispielsweise „auch bereit sein, vor Ort einen Service aufzubauen“, so Ley, und sich dauerhaft zu engagieren.

Wenn Projektleiter Sommer in seinem Büro in der Firmenzentrale im Wiehler Industriegebiet vor dem Computer sitzt, reduziert sich die riesige Halle von Addis Abeba auf mehrfarbige Schalt- und Lagepläne. Sommer ist von Beruf Ingenieur, wie zwei Drittel der 165 Angestellten am dortigen Unitechnik-Stammsitz. Das einzige Hardware-Produkt, das das Unternehmen selber herstellt, sind Schaltschränke in jeder Größe und Spezifikation, wie sie etwa auch auf den Regalbediengeräten im Cargo Terminal in Äthiopien montiert sind. Hauptsächlich aber bietet Unitechnik Softwarelösungen für den vollautomatischen Materialfluss an, ob es sich nun um Bordverpflegung, Bücher oder Büroartikel handelt. Oder eben Luftfracht-Container.

Wir finanzieren

Die KfW IPEX-Bank finanziert weltweit zahlreiche Infrastrukturprojekte.

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Der Markt für Frachtflughafen-Logistik wird weltweit von drei deutschen Firmen beherrscht: Lödige, Siemens und Unitechnik unter der Marke Acunis. Mit dem Frachtzentrum in Äthiopien hat der Mittelständler aus Nordrhein-Westfalen mittlerweile das fünfte Projekt in Afrika abgeschlossen. Der Kontinent ist für die Firma ein „Kernmarkt“ (Ley). Für die KfW IPEX-Bank gilt Afrika nach den Worten Ufers als „zunehmend vielversprechender Absatzmarkt und Investitionsstandort“ für deutsche und europäische Unternehmen. Wobei mit den Finanzierungen „gleichzeitig Arbeitsplätze beim Exporteur“ gesichert werden.

Quelle
Cover CHANCEN 2017

Dieser Artikel ist erschienen in CHANCEN Herbst/Winter 2017 „Mut”.

Zur Ausgabe

Den Stolz der Äthiopier auf die Halle der Superlative teilt Unitechnik-Geschäftsführer Ley mit ihnen. Während der Eröffnung des Terminals versprach er dem Vorstandsvorsitzenden von Ethiopian Airlines, man werde mit potenziellen Kunden künftig nach Addis Abeba fliegen, um ihnen das neue Luftfrachtzentrum als Vorbild zu zeigen.

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Alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen verabschiedeten im Jahr 2015 die Agenda 2030. Ihr Herzstück ist ein Katalog mit 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung, den Sustainable Development Goals (SDGs). Unsere Welt soll sich in einen Ort verwandeln, an dem Menschen ökologisch verträglich, sozial gerecht und wirtschaftlich leistungsfähig in Frieden miteinander leben können.

Auf KfW Stories veröffentlicht am 05. Dezember 2017.