Ein einzeln stehendes beleuchtetes Haus in der Dunkelheit
Erneuerbare Energien

Erneuerbare Energien

Sauberer Strom für Afrika

Strom ist Mangelware in den ländlichen Regionen vieler afrikanischer Staaten. Dank der Solaranlagen von Mobisol können die Menschen dort ihre Energie nun selbst produzieren – und damit sogar CO₂ sparen.

Selbst gemachter Strom

Geniale Idee für Regionen ohne Anschluss ans Stromnetz: Mini-Solaranlagen von Mobisol. Installiert auf dem eigenen Hausdach, bezahlt per SMS (KfW Bankengruppe/Thomas Schuch).

Bis vor kurzem begann der Tag in dem Haus in dem kleinen kenianischen Dorf schon um halb fünf Uhr morgens. Im schwachen Schein einer Petroleumlampe machte die junge Mutter ihre Tochter für die Schule fertig. Es war kaum etwas zu erkennen, und so dauerte es fast zwei Stunden, bis das Mädchen das Haus verlassen konnte. „Wenn sie dann zur Schule ging, machte ich mir Sorgen um sie“, sagt die Mutter. „Wir hatten hier keine Stromquelle, um ein Handy zu laden. Sollte ihr etwas zustoßen, wäre ich nicht erreichbar gewesen.“

Normalität, denn viele Haushalte in Kenia haben keinen Anschluss ans Stromnetz. Doch für die kleine Familie in dem Dorf sind die dunklen Tage vorbei. Dank einer Solaranlage auf dem Dach produzieren sie heute ihren eigenen sauberen und günstigen Strom. Damit beleuchten sie ihre Räume und können sogar einen Fernseher betreiben. Und mit dem Aufladen der Handys ihrer Nachbarn verdienen sie sich sogar noch etwas dazu.

Noch sind es nur wenige Haushalte in Kenia, die aus Sonnenenergie Strom gewinnen. Geht es nach dem Berliner Unternehmen Mobisol, soll sich das aber bald ändern.

Das Prinzip Selbstversorgung

In Tansania und Ruanda sind Ladestationen für Handys und Stereoanlagen bereits echte Verkaufsschlager, zugleich sind sie das Ergebnis einer beeindruckenden Entwicklung. Hunderttausende Menschen haben dort mittlerweile eine gesicherte Stromversorgung, viele betreiben sogar ein kleines Geschäft: Einige Familien haben sich einen Kühlschrank zugelegt und verkaufen gekühlte Getränke, andere bieten Sportübertragungen auf ihrem Fernseher an oder laden eben Handys auf.

Diese neuen wirtschaftlichen Perspektiven sind insofern erstaunlich, als es in vielen Ländern Afrikas außerhalb großer Städte kaum ein funktionierendes Stromnetz gibt. Die Menschen müssen daher oft auf fossile Energiequellen zurückgreifen. Heute aber produzieren schon 65.000 Haushalte in Tansania und Ruanda sauberen und kostengünstigeren Strom. Sie haben ihre Energieversorgung selbst in die Hand genommen – und Mobisol hat ihnen dabei geholfen.

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Mobisol-Gründer Thomas Gottschalk sitzt auf einer Parkbank, neben ihm ein Solarpanel
Geschäftssinn

Thomas Gottschalk ist Ingenieur für erneuerbare Energien. 2010 entstand die Idee, Solaranlagen für das ländliche Afrika zu konzipieren. Der Berliner erkannte schnell: „Das ist ein gigantischer Markt mit unglaublichem Potenzial."

Wo es kein Netz gibt, muss man den Strom eben selbst produzieren. Mit dieser simplen Idee gründete Thomas Gottschalk im Jahr 2010 das Unternehmen Mobisol. Sein Konzept: Mittels Photovoltaik sollen die Menschen Zugang zu moderner Kommunikations- und Elektrotechnik erhalten. „Off-grid“ –also unabhängig von bestehenden Netzen – wollte Gottschalk eine kostengünstige und zugleich umweltfreundliche Alternative zu fossilen Energieträgern schaffen. „Unsere Kunden müssen heute nicht mehr aufs Stromnetz warten“, sagt er stolz.

Das Prinzip ist einfach: Mobisol liefert ein Solarpanel fürs Hausdach und dazu eine Batterie. Die Modelle gibt es als 80-Watt-Anlage, die vor allem kleinere und mittlere Elektronikgeräte betreibt – bis zur 200-Watt-Version, die zusätzlich sogar für einen Kühlschrank oder eine Stereoanlage ausreicht. Die Kunden leasen die Solaranlagen, die zwischen 500 und 1.300 Euro kosten. Für viele ist das eine große Investition, liegt das durchschnittliche Monatseinkommen in Ruanda doch gerade mal bei 600 und in Tansania bei 820 Euro. In Kenia beträgt der monatliche Verdienst immerhin schon rund 1.200 Euro.

M-Pesa

M-Pesa ist ein in Afrika weit verbreitetes Bezahlsystem. Transaktionen werden über Mobiltelefone abgewickelt, Nutzer müssen nicht über ein reguläres Bankkonto verfügen. Das Bargeld wird bei einem Händler eingezahlt und auf das persönliche, elektronische Guthaben übertragen. Eingeführt wurde M-Pesa in Kenia im Jahr 2007 von den Mobilfunkfirmen Safaricom und Vodafone.

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Das Geld überweisen die Kunden daher in bis zu 36 Monatsraten per SMS über das mobile Bezahlsystem M-Pesa – ein gängiges Modell in einer Region, in der kaum jemand ein Bankkonto oder Internetzugang besitzt. „Dieses Bezahlsystem macht unser Geschäftsmodell überhaupt erst möglich“, so Gottschalk. „Eine Bezahlung mit Bargeld wäre viel zu aufwendig.“

Elementar für die Erfolgsgeschichte der dezentralen Stromversorgung ist die Förderung der KfW-Tochter DEG, die damit auch den Vormarsch erneuerbarer Energien in Subsahara-Afrika ermöglicht. Photovoltaik-Anlagen sichern nämlich nicht nur die Versorgung mit Strom, sondern führen auch auch zu erheblichen Einsparungen von CO₂ – bislang insgesamt über 30.000 Tonnen.

Angefangen hat Mobisol mit nur wenigen Mitarbeitern, heute sind 700 Festangestellte für das Berliner Unternehmen tätig, 600 davon in mehreren Ländern Afrikas. Dort schult Mobisol in zwei eigenen Akademien Techniker, Installateure und Verkäufer. So können die Solaranlagen im Notfall innerhalb von 48 Stunden repariert werden.

Über Mobisol

2010: Unternehmensgründung

2011: Erster Prototyp einer Solaranlage

2013/2014: Erfolgreicher Geschäftsbetrieb in Tansania und Ruanda

2016: Expansion nach Kenia

Darüber hinaus ist es durch den Einsatz innovativer Technologien möglich, technische Daten wie Energieverbrauch jeder Anlage und das Zahlungsverhalten jedes Kunden fast in Echtzeit zu verfolgen. Alle drei Minuten erhält die Datenbank in Berlin automatisch einen Statusbericht.

Mit den Photovoltaik-Anlagen leistet Mobisol in Subsahara-Afrika Hilfe zur Selbsthilfe, doch bei der Stromversorgung soll noch lange nicht Schluss sein. Das Unternehmen will eine ganzheitliche Entwicklung ländlicher Regionen ermöglichen. Die Menschen vor Ort sollen auch andere Leistungen in Anspruch nehmen können, die für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung notwendig sind – beispielsweise eine Krankenversicherung.

Die DEG fördert

Die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) ist eine Tochter der KfW und fördert nachhaltige Vorhaben in Entwicklungs- und Schwellenländern. Seit 2012 unterstützt die DEG die Mobisol GmbH und begleitet das Unternehmen seitdem durch verschiedene Wachstumsphasen. 2015 stellte die DEG ein Darlehen bereit und beteiligte sich an dem Unternehmen.

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Hier könnte Mobisol als Vermittler fungieren. Die zuverlässige Ratenzahlung der Kunden ist immerhin eine glaubwürdige Empfehlung für andere Unternehmen und damit für viele erstmals ein Nachweis von Kreditwürdigkeit.

Die Auswirkungen sicherer und bezahlbarer Stromversorgung gehen außerdem schon heute über bloße wirtschaftliche Effekte hinaus. Dank der Solaranlagen können mittlerweile mehr als 180.000 Kinder nach Einbruch der Dunkelheit ihre Hausaufgaben machen oder in beleuchteten Räumen mit ihren Freunden spielen.

„Hinzu kommt, dass die Luft in den Wohnräumen viel sauberer ist und weniger CO₂ emittiert wird“, so Gottschalk. „Viele Käufer berichten uns auch von einem neuen Sicherheitsgefühl, weil ihr Haus hell erleuchtet ist.“ Diese positiven Reaktionen motivieren Mobisol dazu, noch mehr Menschen den Zugang zu sauberem Strom zu ermöglichen und so die Entwicklung ganzer Regionen zu befördern.

Quelle
Cover Geschäftsbericht 2015

Der Bericht ist erschienen im Geschäftsbericht der KfW 2015. Für KfW Stories wurde der Beitrag im Januar 2017 aktualisiert und erweitert.

Zur Ausgabe

„Unsere Vision ist es, jeden Haushalt, der nicht an die Stromversorgung angeschlossen ist, mit einer Solaranlage auszustatten,“, sagt Thomas Duveau, Verantwortlicher für Business Development von Mobisol. In Kenia steht das Unternehmen zwar noch am Anfang. Die bisherigen Erfolge aber machen zuversichtlich. Schon bald sollen auch dort Tausende Menschen ihre Stromversorgung selbst in die Hand nehmen.

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Donnerstag, 23. März 2017