Die Produkte und Dienstleistungen dieser drei Unternehmen sind grundverschieden. Ebenso wie der berufliche Werdegang und die Motivation ihrer Gründer beziehungsweise Firmen-Nachfolger. Was sie vereint? Ihre Geschäftsideen sind innovativ, kreativ und sozial verantwortlich umgesetzt. Sie sind GründerChampions – ausgezeichnet mit dem KfW Award 2016.

Petar Marovic
HZD-Geschäftsführer Petar Marovic in seiner Werkshalle

Petar Marovic hat sich bei der HZD gründlich eingearbeitet, bevor er das Unternehmen 2016 übernahm. Hier erzählt er über die Verwirklichung seiner Vision.

Mehr erfahren

Bundessieg

Nachfolge in Brandenburg: Bei der Havelländischen Zink-Druckguss GmbH & Co. KG (HZD) stehen die Zeichen wieder auf Wachstum

„In meiner beruflichen Laufbahn hat sich eine Gründung nie ergeben, obwohl ich die Selbstständigkeit immer im Hinterkopf hatte. Doch 2015 kam aus meinem Netzwerk der Tipp, mir doch einmal die Havelländische Zink-Druckguss GmbH & Co. KG (HZD) anzusehen. Ihr Gründer Michael Schönberg stand kurz vor der Rente und suchte einen Nachfolger.

Ich war zu der Zeit Werksleiter in einem mittelständischen Betrieb für Aluminium-Druckguss. Die HZD stellt Druckgusserzeugnisse aus Zink her. Nach einem ersten Rundgang durch das Unternehmen habe ich gleich gewusst: Das passt, diese Chance möchte ich nutzen!

Ich habe also gekündigt und mich bei der HZD gründlich eingearbeitet, bevor ich 2016 dann endgültig das Unternehmen im Rahmen der Nachfolgeregelung übernahm. Auch wenn zwischen uns alles sehr harmonisch verlief, war es für das Team nicht immer einfach. Ich kann das gut verstehen, hier musste sich erst mal Vertrauen aufbauen.

Von Anfang an habe ich mir umfangreiche Unterstützung geholt. Ein Berater hat den ganzen Übernahmeprozess begleitet. Trotzdem habe ich den Banken gegenüber viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Denn die HZD war in den letzten Jahren in Schwierigkeiten geraten und musste neu aufgestellt werden.

Bundessieg 2016

Die HZD im Video-Porträt.

Der entworfene Plan für die Zukunft brauchte einen soliden Businessplan. Und wenn ich sonst ein Visionär bin; bei den Zahlen gilt das nicht. Ich kann auch anderen Gründern nur raten, konservativ vorzugehen und nicht zu optimistisch zu sein. In meinem Fall haben drei Banken finanziert und von der KfW habe ich Gründerkredite erhalten.

Heute wandelt sich die HZD von einem Handwerks- zu einem Industriebetrieb. Herr Schönberg kommt regelmäßig auf einen Kaffee vorbei. Auch er ist stolz, dass sich das Unternehmen erfolgreich entwickelt hat und die Zukunft für die 100 Mitarbeiter abgesichert wurde.

Und für mich war diese Gründung genau das Richtige, ich würde es jederzeit wieder tun!“

Lesen Sie unter der Bildergalerie weiter.

Dilek Dönmez
Dilek Dönmez vor einem 7-gün-Lieferwagen

Dilek Dönmez hat die Özcan Getränke GmbH 2011 von ihrem Vater übernommen. Lesen Sie, wie die Deutsch-Türkin ihren Weg an die Spitze des Unternehmens erlebt hat.

Mehr erfahren

Sonderpreis Nachfolge

Deutsch-türkischer Erfolg: Die Özcan GmbH vertreibt ein Nationalgetränk

„Mein Vater Mehmet Özcan kam als Jugendlicher nach Deutschland. Mit meinem Großvater hat er eine türkische Teestube betrieben, von denen es viele in Berlin gibt.

Natürlich wurde auch das salzige Joghurtgetränk Ayran ausgeschenkt, meine Mutter hat es immer frisch zubereitet.

Mein Vater hat sich dann in den Kopf gesetzt, der erste Ayran-Hersteller in Deutschland zu werden. Er tüftelte lange an einer Schokoladenmaschine, bis er sie zur Produktion von Ayran umgerüstet hatte.

Das war der Startschuss für die 1989 gegründete Özcan GmbH. Anfangs wurde der 7gün Ayran in Glasflaschen abgefüllt, einige Jahre später dann komplett auf Becher umgestellt und die Produktion ausgelagert.

KfW Award Gründen

Für den Preis können sich Start-ups aller Branchen bewerben – auch Gründer, die eine Firma übernommen haben. Der Wettbewerb (ehemals GründerChampions) findet jährlich statt.

Mehr erfahren

Schon vor meinem BWL-Studium hatte ich den Traum, das Unternehmen einmal zu übernehmen. 2011 war es dann soweit – und ganz schön hart.

Langjährige Mitarbeiter stellten sich quer, als ich neue Regeln und Strukturen einführte. Für einige war das zu viel frischer Wind und sie sind heute nicht mehr dabei.

Die größte Herausforderung war aber, den Glauben an den Erfolg nicht zu verlieren und unbequeme Entscheidungen zu vertreten.

Sonderpreis 2016

Die Özcan Getränke GmbH im Porträt.

Mein Vater hat mir durch seine große Erfahrung geholfen, aber durchbeißen musste ich mich allein. Auch für ihn war es nicht leicht, loszulassen, was er aufgebaut hatte.

Alle Mühe hat sich gelohnt: In Berlin haben wir mit unserem 7gün Ayran einen Marktanteil von 70 Prozent und kaum Konkurrenten.

Ich habe neue Produkte entwickelt wie den Frucht-Ayran, der sich sehr gut verkauft. Und es gibt weitere Artikel für die Gastronomie. Die Mitarbeiterzahl konnte ich erhöhen und den Umsatz nahezu verdoppeln. Mein Vater ist natürlich sehr stolz auf mich.

Das schönste Kompliment aber hat ein Mitarbeiter gemacht. Er sagte, dass er sich hier wie in einer großen Familie fühlt, mit elf Brüdern und einer Schwester als Chefin. Das hat mich sehr gerührt.“

Lesen Sie unter der Bildergalerie weiter.

Anna Kaiser und Jana Tepe
Porträt der Gründerinnen Anna Kaiser und Jana Tepe

Sie haben gekündigt, um ihren Traum zu realisieren. Jana Tepe und Anna Kaiser erzählen über ihr Start-up und warum sie sich für flexibles Arbeiten einsetzen.

Mehr erfahren

Publikumspreis

Die Zukunft der Arbeit: Tandemploy etabliert Jobsharing in Unternehmen

„Wir haben zusammen in einer Personalberatung gearbeitet. Eines Tages bekamen wir eine Bewerbung von zwei Personen, die sich eine Position teilen wollten.

Das brachte einen Stein ins Rollen – kurz darauf haben wir gekündigt und Tandemploy gegründet.

Ein Großteil gut ausgebildeter Fachkräfte wünscht sich anspruchsvolle Arbeit, die trotzdem genügend Zeit für die Familie oder Hobbys lässt. Standard sind aber meist 40 Stunden pro Woche.

Das ist noch lange kein Erfolgsrezept. Denn wenn sich zwei die Aufgabe teilen, bringen sie doppelt so viel ein – Berufserfahrung, Kontakte und vielleicht fünf Sprachen statt drei.

Bisher entsteht ein gutes Team meist aus Zufall. Hier setzen wir an. Auf unserer Plattform finden Arbeitnehmer jobsharing-freundliche Unternehmen und passende Partner. Dazu füllen sie einen Fragebogen aus und erhalten Vorschläge für Tandempartner.

Publikumspreis 2016

Das Start-up Tandemploy im Porträt.

Unternehmen unterstützen wir mit einer internen Lösung bei der Flexibilisierung. Sie setzen unsere Software ein, die das Personal innerhalb der Firma zusammenbringt.

Wenn beispielsweise ein Vertriebsmitarbeiter seine Arbeitszeit reduzieren will, kann er hier den passenden Kollegen für ein Jobsharing finden. Gesucht werden kann auch erst mal anonym. Der Prozess wird von den Angestellten selbst gesteuert, schließlich sind sie es auch, die gut zueinander passen müssen.

Unser Konzept hat die Jury des KfW Award überzeugt. Sie zeichnete uns 2016 als GründerChampion für Berlin aus. Wie sehr wir einen Nerv treffen, haben uns die Gäste auf der Preisverleihung gezeigt, sie wählten uns als Publikumssieger. Das ist eine tolle Bestätigung!“

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Mittwoch, 14. Juni 2017