Rebekka Edelmann in Burkina Faso
Menschen

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Im ewigen Hochsommer

Rebekka Edelmann ist Büroleiterin des Geschäftsbereichs KfW Entwicklungsbank in Burkina Faso. 25 Grad Celsius in der Nacht sind keine Seltenheit. In Deutschland gelten solche Tropennächte als schwer erträglich. Für Edelmann mittlerweile: „Angenehm kühl.“

Um im täglichen Wettlauf gegen die sengende Hitze einen Vorsprung zu gewinnen, stehen viele Burkinabe schon gegen fünf Uhr morgens auf. Auch der Büroalltag in der Hauptstadt Ouagadougou startet früh. Rebekka Edelmann beginnt zwischen sieben und acht Uhr mit der Arbeit. Die heißeste Zeit liegt gerade hinter ihr: Im April und Mai waren es mehr als 40 Grad im Schatten. Wie lässt es sich arbeiten, wenn das ganze Jahr Hochsommer ist? „Wir haben im Büro eine Klimaanlage – das ist ein Privileg“, sagt Edelmann.

Vergangenen Sommer zog die 34-Jährige mit ihrem Mann und dem damals einjährigen Sohn in die burkinische Hauptstadt. Für die Familie hat sich der Alltag dadurch von Grund auf geändert. An die Hitze haben sich die drei gewöhnt. Vor allem der Sohn genießt den ewigen Sommer: „Beim ersten Besuch in Deutschland musste er Winterstiefel und Winterjacke tragen, das hat ihm gar nicht gefallen.“

Seit 2011 ist Rebekka Edelmann im Geschäftsbereich KfW Entwicklungsbank tätig, zunächst arbeitete sie in Frankfurt am Main. Mit der Entsendung im Auftrag der Förderbank ging für sie ein Traum in Erfüllung. „Die Burkinabe sind sehr offen und engagiert. Es ist schön, hier zu leben und zu arbeiten.“ Ihr Team besteht aus Deutschen und Burkinabe, insgesamt sind es sieben Mitarbeiter.

Rebekka Edelmann in Burkina Faso
Mit Kind und Kegel

Zusammen mit Mann und Sohn zog Rebekka Edelmann in die burkinische Hauptstadt. An 40 Grad im Schatten hat sich Familie mittlerweile gewöhnt.

Kollegen und Freunde berichten, die Hitze werde immer extremer. Die Folgen der Erderwärmung sind auch dort spürbar, wo ohnehin schon Rekordtemperaturen herrschen: Zusammen mit den Nachbarstaaten Mali und Niger bildet Burkina Faso ein glühendes Dreieck – heißer als hier ist es an keinem anderen Standort der KfW. Im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) widmen sich Edelmann und ihre Kollegen dem West African Science Service Center on Climate Change and Adapted Land Use (WASCAL).

Damit entsteht in Ouagadougou das erste Klimaforschungszentrum Westafrikas. „Forschung mit und in Afrika anstatt Forschung über oder für Afrika“, so die Grundidee des Bundesministeriums. Künftig sollen in dem Zentrum Klimaforschungsnetzwerke für die Region entstehen und afrikanische Wissenschaftler ausgebildet werden. „Dafür spielt das Design des Gebäudes eine zentrale Rolle“, sagt Edelmann, die mit ihrem Team und den Kollegen in Frankfurt Finanzierung und Bau des Zentrums begleitet. Wichtige Faktoren bei der Wahl des architektonischen Entwurfs waren geringe Energiekosten und Alternativen zur Klimaanlage. Das Klima stellt andere Anforderungen an Gebäude als in Deutschland – das betrifft das neue Forschungszentrum ebenso wie den Wohnraum. „Unser Wohnhaus ist nach Norden ausgerichtet, damit keine Sonne hereinkommt.“ Auch Strohmatten vor den Fenstern schützen. Eine Klimaanlage haben zu Hause nur wenige Burkinabe. „Viele stehen in den heißen Monaten nachts auf, um sich mit Wasser zu übergießen“, berichtet Edelmann. Zwischen Oktober und Februar erlebte sie einen einzigen Schauer. Dennoch ist die jährliche Niederschlagsmenge in Burkina Faso höher als in Hessen. Kommt das Wasser, kommt es in Fluten.

„Wir haben im Büro eine Klimaanlage – das ist ein Privileg.“

Rebekka Edelmann, KfW-Büroleiterin in Burkina Faso

Seit vielen Jahren engagiert sich die Entwicklungsbank mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Wassersektor und in der Landwirtschaft. „Im Reisanbau werden Talsenken so ausgebaut und befestigt, dass sich darin Regenwasser sammelt. Dadurch wachsen die Reispflanzen und die Ernteerträge steigen um ein Vierfaches“, beschreibt die Büroleiterin einen Förderbereich. Während der Reisanbau ohne Regen nicht möglich ist, sind Bauprojekte nur in der Trockenzeit realisierbar: Für neue Fundamente werden Sturzbäche zur Gefahr. In der Regenzeit reist Rebekka Edelmann weniger durchs Land, bleibt mehr in Ouagadougou. Dann werden mit den burkinischen Partnern und in Abstimmung mit der deutschen Botschaft und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit die Projekte weiter vorangebracht.

Quelle
Cover Chancen Wärme

Dieser Artikel ist erschienen in CHANCEN Frühling/Sommer 2015 „Wärme“.

Zur Ausgabe

Dass ihr Büro unweit des Regierungsviertels liegt, ist einerseits praktisch – kann jedoch auch gefährlich sein. Im Herbst 2014 wollte der damalige Präsident Blaise Compaoré, der bereits seit 1987 an der Macht war, ein Gesetz verabschieden, mit dem er seine Amtszeit weiter hätte verlängern können. Die Bevölkerung protestierte, in der Nachbarschaft des KfW-Büros fielen tödliche Schüsse. Edelmann beschloss, den Standort vorübergehend zu schließen. Unter dem Druck der Massen kapitulierte Compaoré schließlich. Nach 27 Jahren im Amt floh er aus dem Land. Schon am Tag danach säuberten die Menschen die Straßen. Der Alltag kehrte zurück. „Der burkinischen Bevölkerung ist ein friedlicher Übergang gelungen“, sagt die studierte Sozialwissenschaftlerin Edelmann. Zwar blieb die Situation bis zu den Neuwahlen im Oktober 2015 unberechenbar, doch die Haltung der Bevölkerung hatte sie beeindruckt. Auch persönlich ist sie erleichtert: „Ich bin froh, dass ich das Büro rechtzeitig geschlossen habe und dass das Sicherheitsmanagement der KfW in Frankfurt uns so gut unterstützt hat.“

Auf KfW Stories veröffentlicht am: Dienstag, 9. Mai 2017