Eine an Land gezogene Piroge wird entladen, im Hintergrund sieht man große Industrieschiffe
Mauretanien

Mauretanien

Satelliten gegen illegale Fischerei

Vor Mauretaniens Küsten liegt eines der fischreichsten Fanggebiete der Welt. Doch der Überfluss des sonst kargen westafrikanischen Staates weckt Begehrlichkeiten. Damit die Rechte Mauretaniens in der 200-Meilen-Zone gewahrt bleiben, hat die KfW ein digitales Überwachungssystem der Küstenwache finanziert.

Pirogen in der Brandung vor Mauretaniens Küste

Die mauretanischen Holzpirogen sind nicht groß genug, um mit internationalen Schleppnetzbooten konkurrieren zu können.

Pro Jahr fängt Issa Diop 600 bis 700 Tonnen Fisch, vorwiegend Sardinen. Zwei Dutzend Familienmitglieder leben vom Einkommen des Fischers aus der mauretanischen Hauptstadt Nouakchott. Seit 50 Jahren schon fährt er aufs Meer. Und was hat sich geändert im Laufe der Zeit? Viel mehr Fischer seien unterwegs, sagt der 63-Jährige, auch große Trawler, „und es gibt nicht mehr so viele Fische wie früher“.

Diop besitzt eine Piroge aus Holz. Auf rund 7.000 Boote, die bis zu 20 Meter lang sind, ist die mauretanische handwerkliche Fischfangflotte angewachsen. Die meisten bleiben in der 20-Meilen-Zone, in der die Regierung inzwischen nur noch handwerklichen sowie Küstenfischern das Fangen erlaubt. Sie fischen hier in den Küstengewässern vor Nouakchott wie Diop, beispielsweise Sardinen, die dann zu Fischmehl verarbeitet werden. Der größte Teil der handwerklichen mauretanischen Fischfangflotte (über 50 Prozent) widmet sich allerdings dem Fang von Tintenfischen, die vergleichsweise hohe Preise erzielen.

Für den Küsten- und Hochseefischfang in mauretanischen Gewässern vergibt Mauretanien Lizenzen an in- und ausländische Reedereien, jedoch tummeln sich in den Gewässern manchmal auch nationale und internationale Fangschiffe ohne Erlaubnis. Ohne Fischereiüberwachung würde dem westafrikanischen Staat durch illegale Fischerei viel Geld entgehen.

Die KfW fördert

Der Geschäftsbereich KfW Entwicklungsbank fördert weltweit zahlreiche Projekte zum Schutz der Biodiversität.

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Warum Mauretaniens Gewässer so fischreich sind

Die Natur hat Mauretanien karges Land beschert, aber besonders fruchtbares Meerwasser. Seine Küste ist Teil des Auftriebsgebietes der westafrikanischen Küste. Hier am Schelfrand quillt kaltes, nährstoffreiches Tiefenwasser an die Oberfläche, welches unter Lichteinwirkung zu einer massenhaften Planktonproduktion führt, die die Nahrungsbasis reicher Fischbestände bildet. Die Gewässer vor der Küste des Wüstenstaats zählen deshalb zu den fischreichsten der Welt mit einem geschätzten nutzbaren Potenzial von 1,8 Millionen Tonnen pro Jahr für alle Fischarten zusammen.

Jeder Küstenstaat hat das Recht, die 200-Meilen-Zone vor der eigenen Küste exklusiv zu „bewirtschaften“. Mauretanien verkauft deshalb Fanglizenzen für seine 200-Meilen-Zone an in- und ausländische Reedereien. In den Fischgründen der islamischen Republik schwimmen Doraden, Tintenfische, Langusten, Seehechte, Sardinen, Makrelen und Thunfische in großen Mengen. Die locken unter anderem Trawler aus China, Russland oder der EU an. So ein Industrieschiff zieht mit seinen Schleppnetzen an zwei Tagen aus dem Wasser, wofür Issa Diop ein Jahr braucht. Und dem gehört eine der großen Pirogen.

Fischereiabkommen

Die EU hat mit 13 afrikanischen und asiatischen Staaten Fischereiabkommen abgeschlossen. Sie regeln, welche Fische in welchen Mengen EU-Schiffe in den jeweiligen Hoheitsgewässern fangen dürfen. Mauretanien bekommt das mit Abstand meiste Geld aller 13 Staaten: 61,6 Millionen Euro pro Jahr. Vier Millionen davon sollen in den Ausbau der mauretanischen Fischerei fließen.

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Die EU hat 2016 ein Fischereiabkommen mit Mauretanien geschlossen. Es soll den Prinzipien der Nachhaltigkeit genügen und erlaubt Schiffen aus EU-Ländern, pro Jahr bis zu 287.050 Tonnen Fische und Meeresfrüchte aus mauretanischen Gewässern zu holen. Im Rahmen des derzeit gültigen Abkommens, das noch bis zum 15. November 2021 läuft, erhält Mauretanien von der EU 61,6 Millionen Euro pro Jahr. Insgesamt hat das Land mit dem Lizenzverkauf innerhalb der vergangenen 25 Jahre mehr als eine Milliarde Euro eingenommen.

Aber die Einhaltung sowohl der Fischereiabkommen als auch der Lizenzen der Küsten- und Hochseefischerei erfordert deren Überwachung und Kontrolle. Schon seit 1990 engagiert sich Mauretanien mithilfe der KfW in der Fischereiüberwachung seiner 200-Meilen-Zone. Mittlerweile läuft das Programm, das der Geschäftsbereich KfW Entwicklungsbank im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert, in der fünften Phase. Dabei wird die Bank bis 2021 weitere 25,1 Millionen Euro bereitstellen, unter anderem für den Bau einer Kaianlage zum sicheren Ankern der Patrouillenboote der mauretanischen Küstenwache in Nouadhibou, der wichtigsten Hafenstadt des Landes.

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Landkarte von Mauretanien

750 Kilometer lang ist Mauretaniens Küste zwischen der Westsahara und Senegal. Sieben bemannte Radarstationen bewachen hier die 200-Meilen-Zone des Wüstenstaates.

750 Kilometer Küste im Blick

Die mauretanische Küstenwache kontrolliert die Hoheitsgewässer des Landes. Sie bedient sich dabei einer Kombination aus Satelliten, Funk und Radartechnik, die aus Mitteln der deutschen Bundesregierung über die KfW finanziert wurde. Dazu zählt beispielsweise auch die Einrichtung der sieben bemannten Radarstationen, die entlang der 750 Kilometer langen Küste zwischen Senegal und der Westsahara stehen. Mit den Radargeräten lassen sich Schiffe in der 200-Meilen-Zone orten. Die Küstenwächter werten in ihrer Zentrale in Nouakchott zudem detaillierte Satellitendaten über Schiffe in der 200-Meilen-Zone aus. Ein Abgleich mit den Fanglizenzen zeigt, ob ein Schiff in der Zone fischen darf.

Schöpft die Küstenwache Verdacht, schickt sie ein Patrouillenboot hinaus. Bestätigt sich der Verdacht bei der Kontrolle des ausländischen Schiffs, wird es nach mauretanischem Recht konfisziert, erklärt der Kommandant Ahmed Ould Moulaye, Einsatzleiter der mauretanischen Küstenwache. Die digitale Überwachungstechnik seines Landes habe „Vorbildcharakter in der Region“, sagt er. Und sie zeigt Wirkung. In den vergangenen Jahren hat sich die Anzahl von Rechtsverstößen gegen das Fischereirecht deutlich verringert.

Fischerei in Mauretanien

66.000 Menschen arbeiten in der Fischerei und der Fischverarbeitung, mehr als in jedem anderen Wirtschaftszweig des Landes. 40 Prozent der Exporterlöse stammen aus der Fischwirtschaft.

„Das Ziel der Maßnahmen zur Stärkung der Fischereiüberwachung, finanziert durch die KfW, ist die verantwortliche und nachhaltige Nutzung der Ressource Fisch“, sagt Henning Baur, bis vor Kurzem zuständiger Projektmanager der KfW Entwicklungsbank. Mithilfe der Mittel aus dem Lizenzverkauf finanziert der mauretanische Staat unter anderem den Ausbau der eigenen Fischereiwirtschaft. Schon jetzt sichert sie rund 66.000 Arbeitsplätze.

Fast jeder dritte Mauretanier lebt unter der Armutsgrenze, doch die Fischereiwirtschaft hat das Potenzial, mehr Einwohner zu beschäftigen und zu ernähren als bisher – wenn sie nachhaltig betrieben wird und wenn mehr Fisch in Mauretanien verarbeitet wird.

Quelle
Cover CHANCEN Erfolg in der digitalen Welt

Dieser Artikel ist erschienen in CHANCEN Frühjahr/Sommer 2017 „Digitalisierung”.

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Nach Berechnungen der Welt­ernährungsorganisation FAO nahmen afrikanische Staaten 2014 mit dem Verkauf von Fischereilizenzen 400 Millionen US-Dollar ein; mit eigenen Flotten und eigener Verarbeitung wären sie auf einen Erlös von 3,3 Milliarden Dollar gekommen.

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Alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen verabschiedeten im Jahr 2015 die Agenda 2030. Ihr Herzstück ist ein Katalog mit 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung, den Sustainable Development Goals (SDGs). Unsere Welt soll sich in einen Ort verwandeln, an dem Menschen ökologisch verträglich, sozial gerecht und wirtschaftlich leistungsfähig in Frieden miteinander leben können.

Auf KfW Stories veröffentlicht am 7. Juni 2017, aktualisiert am 30. November 2020.