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Eine Herbstwiese mit Nadelbäumen. Im Hintergrund sind Berge und eine wolkige Landschaft zu sehen.

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Die KfW und der Klimawandel

icon-ff Created with Sketch. Dem Klimawandel
begegnen

Der Klimawandel und seine Folgen beschäftigen die Politik, Unternehmen und inzwischen beinahe alle Menschen. Um der globalen Erwärmung entgegenzutreten, müssen Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung Hand in Hand gehen. Beide Wege spielen eine wichtige Rolle in der Arbeit der KfW, wie unser Vorstandsvorsitzender Dr. Günther Bräunig betont.

2019 könnte als ein entscheidendes Jahr in die Geschichte der Bekämpfung des Klimawandels eingehen, denn nie war die öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema größer: Millionen von Menschen gingen weltweit für mehr Klimaschutz auf die Straße. Die verheerenden Waldbrände im Amazonasgebiet und in Australien sorgten für viel Anteilnahme, aber auch für neue Forderungen nach einem angemessenen Wald- und Klimaschutz. Und Ende 2019 stellte die Europäische Union ihren „Green Deal“ vor. Mithilfe dieses Fahrplans soll Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent werden.

Dabei spielen der Finanzsektor und insbesondere Förderbanken wie die KfW eine zentrale Rolle. Allein bei der KfW wurden 2019 rund 29,7 Milliarden Euro in die Bereiche Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel und Umwelt investiert. Unser Vorstandsvorsitzender Dr. Günther Bräunig ist sicher, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Im Kurzinterview beantwortet er die wichtigsten Fragen rund um die Herausforderungen des Klimawandels und die Strategie der KfW.

Drei Fragen
an Dr. Günther Bräunig

Wie stellt sich die KfW auf, um dem Klimawandel angemessen zu begegnen?

Die KfW ist schon heute als nachhaltige Förderbank bestens aufgestellt, um ihren Beitrag zur Minderung der Treibhausgasemissionen und zur Eindämmung der Folgen des Klimawandels zu leisten. Ganz elementar ist, dass wir einen Strukturwandel brauchen, um eine klimaneutrale Wirtschaft bis zum Jahr 2050 zu ermöglichen. Dieses Ziel hat sich die Bundesregierung gesetzt. Die Aufgabe der KfW ist es nun, den Übergang in eine klimaneutrale Zukunft mit den richtigen Akteuren und den passenden Technologien noch stärker zu fördern und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die Transformation sozial verträglich vonstatten geht. Diese Aufgabe definiert unser Selbstverständnis als transformative Förderbank.

Keine leichte Aufgabe. Wie wird entschieden, welche Vorhaben künftig noch gefördert werden sollen?

Um das zu entscheiden, nutzen wir unsere umfängliche Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfung und unsere KfW-Ausschlussliste, laut der beispielsweise keinerlei Kohlevorhaben mehr finanziert werden dürfen. Mit Spannung erwarten wir die Rolle, die die von der EU auf den Weg gebrachte Taxonomie, die eine einheitliche Sprache über ökologisch nachhaltige Aktivitäten etabliert, spielen wird. Wir haben im März 2020 ein Förderprogramm auf den Weg gebracht, um den deutschen Mittelstand auf die Taxonomie vorzubereiten.

Solaranlagen in der Wüste. Ein Mann reinigt eines der Solarpanele.

Wo muss denn im Fördergeschäft am ehesten angesetzt werden, um Klimafolgen effektiv zu begrenzen?

Wir haben als größte nationale Förderbank der Welt mehrere Hebel, die wir nutzen: Zum einen fördern wir wirtschaftliche Aktivitäten, die den Treibhausgasausstoß verringern, also direkt zur Minderung des Klimawandels beitragen. Das tun wir hier in Deutschland zum Beispiel durch den Ausbau erneuerbarer Energien und die Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden.

Auf der anderen Seite können wir diejenigen unterstützen, die bereits heute vom Klimawandel betroffen sind. Infrastrukturvorhaben, Klimaversicherungen und landwirtschaftliche Modernisierungen helfen den Menschen dabei, sich an die Realität einer vom Klimawandel veränderten Welt anzupassen. So schaffen wir Resilienz.

Eine Herausforderung, zwei Ansätze

Der Klimawandel ist nicht nur ein Zukunftsszenario, er ist bereits in vollem Gange und verändert das Leben von Millionen Menschen. Die Ausbreitung von Wüsten und vermehrte Extremwetterereignisse gefährden die Landwirtschaft und zerstören ganze Landstriche. Strukturelle Veränderungen und Katastrophen gehen Hand in Hand.

Angesichts der Veränderungen infolge der globalen Erwärmung unterscheidet die Wissenschaft im Kampf gegen den Klimawandel zwei Ansätze: den Klimaschutz (engl. „mitigation“ = Minderung) und die Klimaanpassung (engl. „adaptation“).

Die Mitigation hat zum Ziel, den Treibhausgasausstoß zu verringern und den damit zusammenhängenden Temperaturanstieg durch Gegenmaßnahmen abzuschwächen. Hauptinstrument hierfür ist die Dekarbonisierung der Wirtschaft.

Maßnahmen zur Adaptation sollen Mensch und Natur auf eine vom Klimawandel veränderte Zukunft vorbereiten und zielen darauf ab, die Anfälligkeit – besonders in wenig entwickelten Weltregionen – für die Folgen des Klimawandels zu verringern. Diese Anfälligkeit wird Vulnerabilität genannt.

Klimaschutz und Klimaanpassung

Mitigation

Energieeffizienz und Nutzung erneuerbarer Energien

Dekarbonisierung der Industrie

Effizienter und sauberer Transport

Kohlenstoffsenken und Methanvermeidung

Natur- und Waldschutz

Mitigation bekämpft die Ursachen des Klimawandels,

Adaptation

Sichere und resiliente Infrastruktur

Wiederherstellung von Ökosystemen

Umweltfreundliche Landnutzung

Flexible und diversifizierte Landwirtschaft

Katastrophenschutz und vorbeugende Maßnahmen

Adaptation adressiert seine Auswirkungen.

Mitigation bekämpft die Ursachen des Klimawandels,

Adaptation hat ihre Auswirkungen im Blick.

Ein Kraftakt, der gelingen kann

Nach aktuellem Stand der Wissenschaft ist es unerlässlich, sowohl den laufenden Klimawandel zu bekämpfen als auch sich an seine unvermeidbaren Auswirkungen anzupassen. Die KfW sieht sich in der Pflicht, beiden Erfordernissen Rechnung zu tragen. Sie fördert daher wirtschaftliche Vorhaben, die zur Emissionsreduktion beitragen und Entwicklungsländern helfen, sich auf die Klimaveränderungen der Zukunft vorzubereiten.

Ein Beispiel können Investitionen in strapazierte Ökosysteme sein. Deshalb beschäftigen wir uns mit der Frage, inwieweit der Schutz bestehender Wälder und (Wieder-)Aufforstung einen effizienten Beitrag zum Klimaschutz leisten können. Auch Menschen und ihre Lebensgrundlagen müssen besser geschützt werden, wenn sie in Zukunft vermehrt unter dem Klimawandel leiden. Hierfür finanzieren wir unter anderem Klimaversicherungen, die die Anpassung von Ländern des Globalen Südens an den Klimawandel unterstützen sollen.