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Deutscher Mittelstand schöpft Potenziale der Digitalisierung bisher nicht aus

Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe, stellte am 18. August 2016 in Frankfurt die zentralen Ergebnisse des aktuellen Studie "Digitalisierung im Mittelstand" vor.

Der deutsche Mittelstand befindet sich noch in einer frühen Phase der Digitalisierung, wie eine neue Studie von KfW Research zeigt. Zwar haben vier von fünf kleinen und mittleren Unternehmen in den zurückliegenden drei Jahren Digitalisierungsprojekte umgesetzt und in neue Technologien oder Verbesserung der IT-Kompetenz investiert. Die einzelnen Vorhaben hatten jedoch meist nur einen überschaubaren Umfang: Vor allem kleine Unternehmen (unter 10 Beschäftigte) setzten dafür weniger als 10.000 EUR pro Jahr ein – und planen häufig für die nächsten Jahre keine höheren Ausgaben. Knapp die Hälfte der großen Mittelständler (150 und mehr Beschäftigte) geben über 100.000 EUR im Jahr dafür aus. Hochgerechnet auf den gesamten deutschen Mittelstand entspricht dies jährlichen Ausgaben in Höhe von etwa 10 Mrd. EUR für Projekte zum Ausbau der Digitalisierung.

Zitat

„Die Hoffnungen auf ein kräftiges Investitionsplus im Mittelstand haben sich nicht erfüllt. Auch 2016 wird es nur einen geringen Schub geben, zu verhalten sind die Planungen der Unternehmen. Es braucht aber mehr Investitionen, um dauerhaft mit dem starken Arbeitsmarkt Schritt zu halten und produktiver zu werden. Bereits heute ist die Gesamtwirtschaft dem Mittelstand bei der Produktivität um das Vierfache voraus. Da klafft eine große Lücke, und die ist ganz klar die Achillesferse der mittelständischen Unternehmen.“

Dr. Jörg Zeuner
KfW-Chefvolkswirt

KfW-Pressemitteilung v. 25. Oktober 2016

Digitalisierung im Mittelstand

KfW-Chefvolkswirt Dr. Jörg Zeuner erläutert die Ergebnisse der Studie "Digitalsierung im Mittelstand".

(18. August 2016)

Video anzeigen (2:37 Min.)

Insgesamt befindet sich etwa ein Drittel der Mittelständler aktuell noch in einem Grundstadium der Digitalisierung, d.h. bei ihnen sind selbst grundlegende Anwendungen wie ein eigener Internetauftritt unterdurchschnittlich verbreitet. Besonders häufig zählen die kleinen Mittelständler mit weniger als 50 Mitarbeitern zu diesen Digitalisierungs-Nachzüglern. Rund die Hälfte der mittelständischen Firmen hierzulande liegt im Mittelfeld und nutzt z.B. einzelne Anwendungen digital vernetzter Information und Kommunikation. Digitale Vorreiter, d.h. Unternehmen, die bereits auf digitale Produkte, Dienstleistungen, Apps oder Industrie 4.0 setzen, stellen mit einem knappen Fünftel des Mittelstands die Minderheit dar.

78 % der Unternehmen haben zwischen 2013 und 2015 in technologische Projekte investiert (Hardware, Software, IT-Sicherheit, Website, IT-Bezugsformen, Verknüpfung von Prozessen). Projekte zur Erweiterung von Kompetenzen im Bereich der Digitalisierung

(IT-Weiterbildung, IT-Beratung, Reorganisation des Workflows, Konzepte für Internetmarketing und –vertrieb) wurden von 64 % der Mittelständler umgesetzt. Vorreiterunternehmen realisieren fast doppelt so häufig Kompetenzprojekte wie Nachzügler.

KfW-Pressemitteilung v. 18. August 2016

Präsentation v. 18. August 2016

Studie "Digitalisierung im Mittelstand: Status Quo, aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen" (Forschungsprojekt des ZEW im Auftrag der KfW Bankengruppe)

Fokus Volkswirtschaft: "Digitalisierung im Mittelstand", August 2016

Beispiele für erfolgreiche Digitalisierung im Mittelstand

KfW-Pressefotos

FIT AG - Additive Fertigung aus der Oberpfalz

Wir fördern innovative Produktionsprozesse - FIT AG

Die FIT AG hat sich auf hochwertige Implantate und Instrumente aus Titan, Metall und Kunststoff spezialisiert, die additiv gefertigt werden. Insbesondere in der Medizintechnik genießt die bayerische Unternehmensgruppe einen ausgezeichneten Ruf.

(2. Mai 2016)

Video anzeigen (1:16 Min.)

Infografiken

Fünf von sechs Mittelständlern bauen Digitalisierung aus

  • 83 % der mittelständischen Unternehmen haben in den Jahren 2013 bis 2015 Digitalisierungsvorhaben durchgeführt. Mit 98 % gilt dies für nahezu jedes Unternehmen mit 150 oder mehr Beschäftigten. Von den kleinen Unternehmen gilt dies für 78 %.
  • Digitalisierungsprojekte sind Projekte, die die IT-Strukturen im Unternehmen verbessern oder erneuern und zum Einsatz neuer Anwendungen führen oder Kompetenzen zur Nutzung digitaler Anwendungen aufbauen. IT-Investitionen, die reine Ersatz- oder Routine-Investitionen darstellen, zählen nicht dazu.

Interne Mittel dominieren bei der Finanzierung von Digitalisierungsprojekten

  • Digitalisierungsvorhaben werden zu 77 % aus den laufenden Einnahmen der Unternehmen finanziert. Bankkredite spielen mit 4 % des Finanzierungsvolumens eine untergeordnete Rolle.
  • Damit unterscheidet sich die Finanzierung von Digitalisierungsvorhaben deutlich von der Finanzierung von Investitionen in Sachanlagen. Dort machen Bankkredite 21 %, laufende Einnahmen aber nur 58 % des Finanzierungsvolumens aus.
  • Abgesehen von den vergleichsweise kleinen zu finanzierenden Volumen dürfte dies auf die besonderen Charakteristika von Digitalisierungsvorhaben zurückzuführen sein:
  • Die Erfolgschancen sind für externe Geldgeber schwierig zu beurteilen, da Digitalisierungsvorhaben häufig firmenspezifische Anwendungen bzw. Problemlösungen zum Ziel haben und dem Aufbau und der Verbesserung von Knowhow und organisatorischen Abläufen dienen.
  • Digitalisierungsvorhaben setzen sich zu einem großen Anteil aus Aufwendungen für Personal und Vorleistungen zusammen, während nur ein vergleichsweise kleiner Anteil auf materielle Investitionen entfällt. Dies senkt die Möglichkeiten, Sicherheiten aus dem Projekt heraus zu stellen.
  • Beides verringert die Bereitschaft externer Geldgeber, Digitalisierungsvorhaben zu finanzieren.

Jeder fünfte Gründer digital

  • Ein Fünftel der Gründer baut auf digitale Technologien, d. h. ihre Angebote sind nur durch den Einsatz digitaler Technologien nutzbar.
  • Die Geschäftsmodelle sind vielfältig: App-Anbieter, Betreiber von Webportalen oder Webhosting-Dienste, Onlinehändler oder auch Gründer, die (selbst hergestellte) Produkte oder Dienstleistungen auf Online-Marktplätzen anbieten, zählen dazu, aber auch Gründer, die für ihre Arbeit im Wesentlichen digitale Technologien anwenden wie Softwareentwickler, Webdesigner, Fachleute im Online-Marketing, viele IT-Consultants oder Fotografen.
  • Digitale Gründer sind im Nebenerwerb häufiger (23 %) als im Vollerwerb (17 %). Das ist ein Indiz dafür, dass digitale Technologien Gründern den Marktzutritt erleichtern.
  • Gründer sind insgesamt überwiegend regional ausgerichtet. Nur 40 % bieten ihre Produkte oder Dienstleistungen im deutschsprachigen Raum, in Europa oder sogar weltweit an. Digitale Gründer dagegen zu 70 % auf den nationalen oder internationalen Markt.

Digitalisierung beschleunigt Internationalisierung im Mittelstand

  • Aus Sicht mittelständischer Unternehmen (20–499 Beschäftigte) wird es durch die Digitalisierung einfacher für sie, sich in die Wertschöpfungsketten ihrer Kunden zu integrieren – im Inland wie im Ausland. Dies gilt für Dienstleister noch stärker als für Industrieunternehmen, da sie ihre Leistungen häufiger elektronisch erbringen können und seltener auf den physischen Transport von Produkten angewiesen sind.
  • Knapp zwei Drittel der mittelständischen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen gehen davon aus, dass die Digitalisierung die Erschließung europäischer Absatz- und Beschaffungsmärkte für sie leichter machen wird.
  • Zudem erwarten rund 50 % der Industrie- und 44 % der Dienstleistungsunternehmen eine verstärkte Kooperation mit Unternehmen aus dem europäischen Ausland. Einige Unternehmen erwarten von der Digitalisierung sogar Impulse für ihre Investitionstätigkeit im Ausland.

KfW-Chefvolkswirt Dr. Jörg Zeuner

Vita

Lebenslauf sowie Pressematerial zu Dr. Jörg Zeuner

Medienbeiträge

Aktuelle Beiträge von Dr. Jörg Zeuner in der Presse: Kommentare, Artikel, Videos.

KfW-Pressefoto

Download im KfW-Bildarchiv

KfW-Chefvolkswirt Dr. Jörg Zeuner
KfW-Chefvolkswirt Dr. Jörg Zeuner
(Quelle: KfW-Bildarchiv - Gaby Gerster)

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