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Vorreiter mit 85

Von ihrem Balkon im vierten Stock aus können die Meißners das Blockheizkraftwerk sehen. Es ist in dem grün gestrichenen Container untergebracht, der teilweise mit Holz verkleidet wurde und unweit des Hauses zwischen einer Reihe Birken und einem Zaun steht. Aus einem silbernen Rohr steigt weißer Dampf aus dem Container in den Himmel.

Marianne und Henry Meißner, beide 85, wohnen in diesem Hochhaus im Hamburger Stadtteil Rissen seit es 1967 bezogen wurde. Es gehört dem Bauverein der Elbgemeinden (BVE), mit knapp 14.000 Wohnungen eine der größten Wohnungsbaugenossenschaften in Norddeutschland. Als Marianne und Henry heirateten, vor 62 Jahren, da war Henry schon Mitglied im Bauverein. Bis zum Umzug in den Tinsdaler Heideweg hat das Paar mit zwei Kindern auf 43 Quadratmetern gewohnt, ebenfalls eine BVE-Wohnung, und sich dann auf 75 Quadratmeter fast verdoppelt. Jetzt gehören die beiden auf ihre alten Tage energietechnisch zur Avantgarde in Hamburg.

Seit Dezember vergangenen Jahres läuft in dem grünen Container das Blockheizkraftwerk mit Erdgas und versorgt insgesamt rund 120 Wohnungen mit Strom und etwa 80 zusätzlich mit Wärme. Nils Neuse bleibt am Hochhaus-Eingang stehen und fragt: "Hören Sie was?" Tatsächlich nimmt man ein leichtes Brummen erst wahr, wenn man sich dem – schallisolierten – Container auf ein paar Meter genähert hat. Neuse ist Projektleiter beim Bauverein und hat das Programm "Mein Quartierstrom" für die beiden Hochhäuser Tinsdaler Heideweg 26 und 28 betreut. " 'Mein Quartierstrom' bedeutet, Energieerzeugung und Verbrauch zu einander zu bringen, mit dem Ziel größtmöglicher Effizienz", sagt er. Zusammen mit Partnern wie Hamburg Energie, die auch in Rissen mit im Boot sind, betreibt der Bauverein 21 Blockheizkraftwerke für knapp 4.500 Wohnungen und beliefert inzwischen 430 Wohnungen direkt mit "Quartierstrom".

Die Investition im Tinsdaler Heideweg ging einher mit einer aufwändigen energetischen Sanierung der Gebäude, die auch mit Mitteln der KfW finanziert wurden. Dabei wurden auch die Durchlauferhitzer im Bad durch die zentrale Warmwasserversorgung des Blockheizkraftwerks ersetzt. Allein durch die Dämmung sinkt der Energieverbrauch in den Wohnungen laut Neuse um 30 Prozent. Wer sich für den "Quartierstrom" aus dem Blockheizkraftwerk entscheidet, erhält zudem einen Preisvorteil für den Strom. Das Stromangebot für die Mieter ist vertraglich vereinbart stets zwei Cent pro Kilowattstunde billiger als der günstigste Tarif des Grundversorgers.

Die Meißners haben in ihrem langen Mieterleben schon alle Heizquellen durchgemacht. Erst Holz und Briketts, dann Öl- , dann Gaszentralheizung und jetzt: Blockheizkraftwerk. "Ich hatte keine Vorstellung davon, was das ist", sagt Henry Meißner. Draußen sind ein paar Grad über Null, in der Stube der beiden ist es warm. Marianne Meißner schaut den Gast fast triumphierend an: "Der Heizkörper ist aus." So ist es. Ende Januar hat sie ihn das erste Mal in diesem Winter angemacht. Nur im Bad lässt sie immer die Heizung laufen.

Beim Gang nach unten zeigt Neuse auf die knallroten Abtreter vor den Wohnungen. Die bekommt, wer einen Vertrag über "Quartierstrom" abschließt. Drei von vier Mietparteien in den beiden Hochhäusern des Bauvereins im Tinsdaler Heideweg ließen sich bereits 14 Tage nach Vermarktungsbeginn ihre Energie aus dem grünen Container liefern.

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