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Zuschlag für den Aufbau

Mittelständler expandiert gen Osten

Die Rote Armee, dein Freund und Helfer. Udo Wirthwein schmunzelt, wenn er von den Anfängen seiner Firma im Osten Deutschlands erzählt. Die Bundesbahn suchte nach der Wende Zulieferer in den neuen Bundesländern. Die Wirthweins aus dem fränkischen Creglingen, seit 40 Jahren mit der Bahn im (Gleisbau-)Geschäft, bekamen den Zuschlag und erwarben von der Bundeswehr ein Grundstück neben der Bahntechnik in Brandenburg an der Havel, Ortsteil Kirchmöser. Und jetzt kam die benachbarte sowjetische Garnison ins Spiel. Auf Anordnung eines Oberst rodeten und planierten russische Panzer das Areal, auf dem 1991 das Wirthwein-Werk entstehen sollte.

Udo Wirthwein, 70, tritt seit diesem Jahr etwas kürzer. Er geht noch jeden Tag in die Firma, »aber nicht mehr um halb acht, sondern um acht«. Vom Amt des Vorstandsvorsitzenden der Wirthwein AG ist er in das des Aufsichtsratschefs gewechselt. Das Unternehmen im Familienbesitz – zwei Wirthwein-Söhne gehören dem dreiköpfigen Vorstand an – hat mittlerweile Niederlassungen in Spanien und Polen, in den USA und China. Aber der Senior ist dort geblieben, wo sein Vater 1949 im heimischen Keller die ersten Holzpflöcke für Bahnschwellen fräste, im 5.000-Einwohner-Ort Creglingen.

In Kirchmöser hat Wirthwein seinen ersten Betrieb außerhalb des Stammsitzes gegründet. Nicht weit davon entfernt, im brandenburgischen Nauen, gelingt ihm vier Jahre später der Einstieg in das Geschäft mit ›weißer Ware‹. Bosch-Siemens hat in Nauen ein Waschmaschinenwerk hochgezogen, Wirthwein siedelt sich daneben an und liefert die Laugenbehälter. Die KfW begleitet das Unternehmen auf seinem Expansionskurs, indem sie wiederholt Mittel aus dem ERP-Innovationsprogramm zur Verfügung stellt.

In der Werkshalle, in der Spritzgussmaschinen Kunststoffgranulat in hellblaue oder blassgrüne Laugenbehälter verwandeln, stehen Wirthwein und sein Nauener Werksleiter Ulf Sauerwald, 59, vor gefüllten Hochregalen. »Schwerkraftrollendurchlauflager «, sagt Sauerwald stolz. Dieses Logistik-Verfahren, das dem FiFo-Grundsatz (›First in, First out‹) folgt, haben sich die beiden bei einem Vogelkäfigbauer im Odenwald abgeschaut. Die Paletten mit den Laugenbehältern rutschen langsam Richtung Lastwagen, der die Teile direkt ans Band des Nachbarn Bosch-Siemens fährt.

Die Zeiten, in denen das Werk in Nauen mit seiner ›weißen Ware‹ der größte Umsatzbringer unter den weltweit 18 Standorten der Wirthwein AG war, sind vorbei. In Nauen stellen 150 Beschäftigte und mehrere Roboter auch Kunststoffteile für Porsche, Daimler und VW her. Die Automotive-Sparte generiert fast zwei Drittel allein des Nauener Umsatzes. Sie verkörpere eher die Zukunft seines Unternehmens als Zulieferungen für Haushaltsgerätehersteller oder die Bahn, ist sich der Aufsichtsratsvorsitzende sicher.

Inzwischen hat Wirthwein drei Standorte in den neuen Bundesländern. Doch seine wichtigste unternehmerische Aufgabe hat Udo Wirthwein gleich zu Beginn seiner Zeit als Chef bewältigen müssen – lange vor dem Mauerfall. Er stellte die Firma, die er mit 34 Jahren nach dem Tod seines Vaters übernahm, von Holz- auf Kunststoffverarbeitung um. Als sich aber 2006 die Gelegenheit bot, den Parkettverleger Bembé zu übernehmen, schlug Wirthwein zu. So bleibt, sagt er, die »Erinnerung an das Holzgeschäft«

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