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Mit neuem Antrieb

Windradbauer rettet Kombinat

Neben dem Werk ragt die E-126 in den Himmel. Der Kraftprotz unter den Windrädern ist bis zur Spitze des Rotorblatts gerechnet mehr als doppelt so hoch wie die Dresdner Frauenkirche und kann, so der Wind will, 15.000 Haushalte mit Strom versorgen. Frank Ihme verkauft die E-126 und alle anderen Windräder aus dem Hause ENERCON. Senior Sales Manager Eastern Europe und Austria lautet die Jobbeschreibung des 58-Jährigen.

Im Magdeburger Stadtteil Rothensee zeichnet sich der gläserne ENERCON-Verwaltungssitz in Form einer Sinus-Kurve, dem Logo des Konzerns, vor dem Himmel ab. Daneben stehen die Hallen, in denen Teile der Windmühlen gefertigt werden: Rotorblätter, Generatoren, Betontürme.

Als der Auricher Windradbauer ENERCON, Marktführer in Deutschland mit einem Anteil von knapp 50 Prozent, 1998 seine ersten Produktionskapazitäten in Magdeburg zukauft, übernimmt er SKET-MAB. Die Abkürzung SKET steht für Schwermaschinenbau-Kombinat Ernst Thälmann. Der Name des Vorsitzenden der Kommunistischen Partei in der Weimarer Zeit scheint nicht zu den neuen kapitalistischen Verhältnissen zu passen, aber die Magdeburger halten an SKET fest. Die Marke hat Klang – und doch geht die Firma sechs Jahre nach der Wende in Insolvenz. Als ENERCON 1998 den Ableger SKETMAB übernimmt, arbeiten dort noch knapp 150 Menschen.

Ihme kennt die Geschichte aus eigenem Erleben. Er hat eine für DDR-Verhältnisse typische Laufbahn hinter sich: Abitur und Lehre bei SKET, Maschinenbaustudium in Magdeburg, Ingenieur in der Forschung bei SKET, nach der Wende in den Vertrieb gewechselt. 2001 übernimmt ENERCON das Areal in Rothensee und erweitert die Windradfertigung. Die KfW IPEX-Bank unterstützt den Ausbau des Unternehmens mit direkten Krediten und projektbezogenen Kundenfinanzierungen. Ihme wechselt von SKET zu ENERCON. Bisher hat er vor allem Walzwerktechnik verkauft. Von Windenergie hat er damals zwar »null Ahnung«, aber da Verkäufer Ihme auch Ingenieur ist, versteht er die technischen Grundlagen der Ökostromproduktion.

In einer Halle wickeln Arbeiter dicke Bündel aus Kupferdrähten in gewaltige Stahlräder. Das Ungetüm wird mal ein Windradgenerator. »Das ist prinzipiell das Gleiche wie ein Fahrraddynamo«, sagt Ihme, nur dass dieser Dynamo einen Durchmesser von sechs Metern hat. In der Nachbarhalle werden knapp 49 Meter lange Rotorblätter aus Stahl, Glasfaser und Epoxitharz in einem Stück gebacken. Die haushohen Werkstücke haben ihre Transporttücken. »Jedes Projekt unterziehen wir erst mal einer Logistikprüfung«, sagt Ihme. Rothensee liegt günstig: Autobahnzubringer um die Ecke, Gleisanschluss auf dem Werksgelände, ein Schiffsanleger mit Zugang zum Mittellandkanal.

Über Jahrzehnte ist Magdeburg »die Stadt des Maschinenbaus«, wie Ihme sagt. 13.000 Frauen und Männer arbeiten zum Ende der DDR allein bei SKET. In den ersten Jahren nach der Wende bricht die wichtigste Branche der Stadt zusammen. Mit ENERCON geht es wieder aufwärts an der Elbe. Mehr als 5.000 Menschen sind in verschiedenen Unternehmen direkt und indirekt für die Windindustrie in Magdeburg tätig – ein Großteil von ihnen bei ENERCON. Damit zählt die Windindustrie zu den größten Arbeitgebern der Region. SKET hätte ohne ENERCON womöglich eine andere Richtung eingeschlagen. In der Firma sollten eigentlich auch Rundlaufkrane für Atomkraftwerke gebaut werden, erzählt Ihme.

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