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Ein Hauch Italien

Mit Unterhosen in die Selbständigkeit

Wenn Jan Jassner wissen will, wie es in der Produktion läuft, muss er nur ein paar Schritte über den Gang machen. An vier Dutzend Nähmaschinen fertigen Facharbeiterinnen das, was der 41 Jahre alte Geschäftsführer der bruno banani underwear GmbH »unser Kerngeschäft« nennt: Unterwäsche und Bademode für Männer. Nach wie vor werden die teureren Teile aus Mikrofaser hier in der Chemnitzer Zentrale von Hand zugeschnitten und zusammengenäht.

Der Arbeitsprozess wirkt altmodisch. »Er lässt sich nicht weiter automatisieren«, sagt Jassner. Die Firma brauche für die Produktion »Leute mit guter Ausbildung«. Die findet sie in der sächsischen Stadt, die schon vor dem Zweiten Weltkrieg ein Zentrum der deutschen Textilproduktion war. Viele Näherinnen – an den Maschinen sitzen nach wie vor keine Männer – sind seit Jahren bei bruno banani. Einige haben noch für den VEB Trikotex gearbeitet, der vor der Wende 2.500 Menschen beschäftigte.

Mit dem DDR-Betrieb aus Karl-Marx-Städter Zeiten hat 1993 die Geschichte von bruno banani angefangen – und mit Jassners Vater Wolfgang. Der Geschäftsführer größerer Textilunternehmen von der Schwäbischen Alb berät nach der Wende die Trikotex und kreiert mithilfe eines Werbefachmanns eine Marke für die Marktnische: Unterhosen für den modebewussten Mann. »Bei teurer Herrenmode denkt man automatisch an Italien. Deshalb wählten wir den italienisch klingenden Namen«, erklärt Jassner. »Schlüpfer für die Schickeria« textet damals der ›Spiegel‹. »Von Low Interest zu Lifestyle«, so beschreibt Jan Jassner den Imagewandel der Unterbuxe.

Das Geld für diese ungewöhnliche Gründung aufzutreiben, die es Jassner zufolge »ohne die Wende nicht gegeben hätte«, ist nicht einfach. Kredite wie das Gründerdarlehen der später in der KfW aufgegangenen Deutschen Ausgleichsbank »waren am Anfang wichtig«. Und der Kunstgriff mit dem Eventmarketing. Weil bruno banani aufwendige Werbekampagnen nicht bezahlen kann, veranstaltet das Unternehmen Aktionen, über die berichtet wird. Mal ›testet‹ ein Astronaut auf der Raumstation Mir Slips und Shirts aus Chemnitz, mal plakatiert die Firma bedeutende Politikerinnen und Politiker bis hoch zur Kanzlerin in Unterwäsche. Schließlich rodelt ein Sportler aus dem Königreich Tonga, der sich in Bruno Banani hat umtaufen lassen und von der Firma gesponsert wird, die Olympiabahn von Sotschi herunter.

Über die Jahre hat sich die Firma zum Vollsortimenter im Lifestyle-Bereich entwickelt, verkauft unter ihrem Label Sakkos, Schuhe, Gürtel – und Parfüm. Das allein sorgt für die Hälfte des 100-Millionen-Euro-Umsatzes. bruno banani produziert nichts davon selbst, sondern vergibt Lizenzen für Produkte, die andere herstellen.

Blumenbeete und ein Pool säumen den Kubus aus Glas und Stahl an der Chemnitzer Peripherie, den bruno banani 1999 bezog. Ein Jahr später stieg Jan Jassner, bei Aldi zum Einzelhandelskaufmann und an der Fachhochschule Reutlingen zum Betriebswirt ausgebildet, in die Firma seines Vaters ein und 2006 zum Geschäftsführer auf. Seit 14 Jahren lebt er in Chemnitz, hat hier eine Familie gegründet und nennt sich »spaßeshalber einen Ossi mit Migrationshintergrund«. Stolz könne man sein, sagt Jassner, stolz auf das, was nach der Wende in den neuen Bundesländern im Allgemeinen erreicht worden sei und in Chemnitz im Besonderen.

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