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Wipotec in Kaiserslautern

"Für mich ist Geothermie die Energiequelle der Zukunft."

Hört man Theo Düppre zu, könnte man zunächst meinen, er sei ein Bruder im Geiste der beiden Landwirte aus Schleswig-Holstein. "Wir wollen keinen Einsatz von fossiler Energie mehr", sagt der 65 Jahre alte Unternehmer aus Kaiserslautern, und: "Mein Ziel ist es, bei Wärme und Strom autark zu sein."

Doch den gebürtigen Saarländer Düppre treibt nicht die ökologische Überzeugung. Der Gründer und Geschäftsführer der Firma Wipotec, ein Waagen-Hersteller auf Weltniveau, sagt: "Mich hat das technologisch Machbare gereizt." So wie in seinem Unternehmen, das 1988 entstand und heute 550 Mitarbeiter beschäftigt, davon 430 am Stammsitz in Kaiserslautern. Sie stellen Waagen für dynamische Wiegeprozesse her, 2.000 pro Jahr. Diese sorgen dafür, dass der Verbraucher nicht weniger erhält, als auf der Verpackung steht, der Produzent aber auch nichts verschenkt. Wipotec-Waagen wiegen unter anderem in der Lebensmittel-, der Pharma-, der Logistikbranche. In der Stunde zum Beispiel 21.000 Tütensuppen oder 44.400 Kekswaffeln oder 400.000 Medikamentenkapseln. Oder 14.400 Briefe.

Vor zehn Jahren hat Düppre, der Ingenieur von Beruf ist und nach wie vor Waagen mitentwickelt, ein neues Betätigungsfeld entdeckt: regenerative Energien. Aber gegen den Trend widmet er sich nicht den oberirdischen Potenzialen wie Sonne oder Wind, sondern geht unter die Erde: "Für mich ist die Geothermie in 1.500, 1.800 Meter Tiefe die Energiequelle der Zukunft." Die Variante scheint teuer, doch Düppre hat eine pfälzische Firma engagiert, die auch bei sogenannten mitteltiefen Erdsonden auf einen großen Bohrturm verzichtet und mit einem Lkw als Plattform auskommt. Auf der Suche nach einer Finanzierung ist auch Düppre auf das KfW-Angebot "Erneuerbare Energien Premium" gestoßen: "Ohne das hätten wir das alles nicht gemacht."

"Alles" ist bei Wipotec eine ganze Menge. Neben einer der Werkshallen ist ein Betondeckel im Boden eingelassen. Darunter führt ein Rohr 1.500 Meter tief in den Sandstein. Dort liegt die Temperatur bei 56 Grad. Wasser fließt durch ein Rohr nach unten, wird erhitzt und kommt mit 30 Grad wieder an die Erdoberfläche. Damit lässt sich die Fußbodenheizung betreiben, die in allen Gebäuden – auf insgesamt 18.000 Quadratmetern – verlegt ist. Die neuesten Werkshallen entsprechen dem Passivhaus-Standard und werden mit LEDs beleuchtet. Strom bezieht Wipotec von einer Photovoltaik-Anlage in der Nähe des Betriebs. Luft, die durch Edelstahlrohre in einem Regenrückhaltebecken geleitet wird, wärmt oder kühlt die Werkshallen, je nach Jahreszeit. Auf den Dächern liefern Sonnenkollektoren warmes Wasser. Und unter den Parkplätzen liegt eine "Naturbatterie". 300 Bohrsonden führen 25 Meter tief in den Sandstein. Nicht benötigte Energie wird hinabgeleitet und dort gespeichert.

Und dann ist da noch das ›Schlössl‹ im südpfälzischen Oberotterbach. Düppre hat dort das Amtshaus aus dem 18. Jahrhundert restauriert und in ein Restaurant und Hotel verwandelt. Energetisch sind die alten Gemäuer jetzt auf neuestem Stand. Eine Fußbodenheizung sorgt für Wärme – und die kommt selbst hier aus der Erde.

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