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Wenn der Regen ausbleibt

Viele Länder Afrikas kämpfen mit den Folgen von Klimawandel und globaler Erwärmung: Dürren nehmen zu. Eine neuartige Versicherung gegen Dürrefolgen hat ihre Bewährungsprobe bestanden.

Von Lisa Adrian

Das Jahr hat für die Menschen im Senegal nicht gut begonnen. Normalerweise hätte es in den Vormonaten mehr regnen sollen. Stattdessen herrscht Dürre: Kleinbauern bangen um ihre Existenz und das Leben ihrer Familien. Im Senegal arbeiten 78 Prozent der Erwerbstätigen im Agrarsektor. Wenn eine Dürreperiode einsetzt, gefährdet dies die Lebensgrundlage von Hunderttausenden.

Entwicklungsländer leiden besonders unter den Folgen von Klimawandel und globaler Erwärmung. Extremwetterereignisse wie Dürren zwingen sie zum Handeln. Wegen ihrer geringen Wirtschaftskraft und fehlender Ressourcen sind Staaten wie Senegal, Mauretanien und Niger dabei auf Unterstützung angewiesen. Deshalb hat der Geschäftsbereich KfW Entwicklungsbank gemeinsam mit dem britischen Department for International Development, der African Risk Capacity Agency und einigen afrikanischen Ländern die weltweit erste Dürreversicherung auf den Weg gebracht. "Der politische Wille in den häufig von Dürren betroffenen Ländern war da", sagt Dr. Thomas Duve, Abteilungsleiter Südliches Afrika und Regionale Fonds. "Es fehlten nur die notwendigen Strukturen und entsprechenden Mittel." Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat die KfW 50 Millionen Euro für den Aufbau der Versicherungsgesellschaft African Risk Capacity Insurance Company Limited (ARC Ltd.) bereitgestellt. Insgesamt konnten 170 Millionen Dollar für die neuartige Versicherung mobilisiert werden.

Unter einer extremen Dürre leidet vor allem die ländliche Bevölkerung. Innerhalb weniger Monate sind die Vorräte von Kleinbauern aufgebraucht, dann müssen sie ihr Vieh notschlachten und ihre Besitztümer verkaufen. Die Dürreversicherung soll das verhindern, indem sie die bisherigen Formen der Dürrenothilfe ergänzt. Sie dient dazu, die kritischen Monate zu überbrücken, bis die internationale Nothilfe eintrifft. Zwei Satelliten im All messen kontinuierlich, wie viel Regen in einzelnen Landstrichen fällt. Schneller als bisher können damit Ernte- und Futterausfälle vorausgesagt werden. Hinzukommen klar definierte Notfallpläne. Damit legen die Teilnehmerstaaten vorab fest, was mit der ausgezahlten Versicherungssumme passieren soll. "Während die klassische Nothilfe in der Regel erst sieben bis neun Monate nach Dürreeintritt anläuft, kann die ARC Ltd. deutlich früher reagieren und der Bevölkerung schnell helfen", so Duve. Die Folgeschäden einer Dürre können dadurch erheblich verringert werden.

Ihre erste Bewährungsprobe hat die Dürreversicherung bestanden: Anfang des Jahres zahlte die ARC Ltd. rund 26 Millionen Euro an drei ihrer Versicherungsnehmer aus: Senegal, Mauretanien und Niger. Allein 16 Millionen Euro gingen an die senegalesischen Dürreopfer. Im Oktober des Vorjahres ließen die Satellitenaufnahmen bereits erahnen, dass es in den Ländern nicht ausreichend regnen würde. Im Dezember konkretisierten die betroffenen Staaten ihre Notfallpläne und schon im Februar 2015 konnten die Mittel ausgezahlt werden.

"Wir sind sehr zufrieden, dass der Mechanismus funktioniert", sagt Susanne Feser, Projektmanagerin bei der KfW Entwicklungsbank. "Die Erfahrungen des ersten Jahres werden uns helfen, in den nächsten Jahren noch schneller zu agieren." Investiert wurde das Geld unter anderem in Nahrungsmittel- und Futterhilfen für Vieh. In den drei betroffenen Ländern können dadurch bis zu 1,3 Millionen Menschen unterstützt und Futterhilfen für rund 500.000 Tiere finanziert werden – bis weitere Maßnahmen der klassischen Nothilfe greifen.

Die nächste Ernte wird im Sommer erwartet. Bis dahin haben die Kleinbauern im Senegal sowie in Niger und Mauretanien Zeit, sich von der Dürre zu erholen. "ARC Ltd. bietet der Bevölkerung schnelle und zielgerichtete Hilfe, um die kritischen Monate nach Dürreeintritt zu überbrücken", so Feser. Sie ist optimistisch, dass die Teilnehmerländer damit langfristig weniger verletzlich werden, was die Folgen des Klimawandels betrifft.

Derzeit bietet die ARC Ltd. neben den aktuell von Dürre betroffenen Ländern auch Kenia Versicherungsschutz an. Weitere Länder sollen im Jahresverlauf hinzukommen. "Wir sind sehr stolz darauf, den afrikanischen Staaten bei der Bewältigung eines drängenden Problems helfen zu können und auf diese Weise die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort nachhaltig zu verbessern", sagt Thomas Duve.

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