Tipp: Aktivieren Sie Javascript, damit Sie alle Funktionen unserer Website nutzen können.

Wärmewende durch optimierte Prozesse

Von Christoph Albrecht-Heider

Auch Rainer Carstens, 57, und Paul-Heinrich Dörscher, 47, heizen mit regenerativen Energien. In einem ihrer Gebäude muss es fast das ganze Jahr über mollig warm sein, deshalb haben sie daneben gleich ein Blockheizkraftwerk gebaut. Das Gebäude ist Deutschlands größtes Bio-Gewächshaus. Es steht in Wöhrden im schleswig-holsteinischen Dithmarschen. In dem Landstrich unweit der Nordseeküste bilden Windräder die Skyline, auf den Feldern wächst neben anderen Gemüsesorten Kohl besonders gut und viel. Carstens und Dörscher, Inhaber des Landwirtschaftsbetriebs Westhof Bio, haben aber auch einen neuen Markt im Auge: Biotomaten aus Deutschland. Nach Bioland-Kriterien angebaut, energetisch verantwortungsvoll produziert.

Nach Jahren der Planung wagten sie sich an die Zwölf-Millionen-Investition, weil sie in Edeka eine Lebensmittelkette fanden, die ihnen alle Biotomaten abnimmt. Seit 2013 gedeihen die roten Früchte im feuchtwarmen Klima des vier Hektar großen Bio-Treibhauses. 1.300 Tonnen ernteten die Pflücker im vergangenen Jahr.

"Die Tomate ist eine absolute Lichtpflanze", sagt Carstens. Er steht in dem grünen Dschungel aus 70.000 Pflanzen, die an kompostierbaren Fäden in die Höhe ranken. Wände und Decke des Gewächshauses, das 255 Meter lang, 155 Meter breit und sieben Meter hoch ist, sind aus besonders lichtdurchlässigem Glas gefertigt. Hier und da stehen Pappkartons, die "Wohnungen" der Hummeln aus Holland, die die gelben Blüten bestäuben. Aus fünf von ihnen werden fünf rote Tomaten à 100 Gramm, immer ein Pfund an einer Rispe. So viel Norm muss auch bei Bioprodukten sein. Anders als in einem konventionellen Gewächshaus, das nach Schätzung von Dörscher einen um ein Drittel höheren Ertrag bringen würde, wachsen die Westhof-Tomaten nicht auf Steinwolle, sondern auf Marschboden. Nach der Ernteperiode, die im März beginnt und im November endet, wird er neu aufbereitet.

Riesige Gewächshäuser gibt es in Deutschland viele, nach ökologischen Kriterien betriebene nur wenige. Das Blockheizkraftwerk auf dem Westhof läuft mit Gas aus der eigenen Biogasanlage. Mit deren Rückständen wird der Boden im Gewächshaus gedüngt, die Anlage liefert zudem den für die Tomatenzucht wichtigen Stickstoff. Mit Regenwasser aus dem Rückhaltebecken neben dem Gewächshaus werden die Tomaten bewässert. Das Projekt finanzierte der Westhof genau wie die Büsinger mit Mitteln aus dem KfW-Programm "Erneuerbare Energien Premium".

20 Kilo Tomaten isst jeder Deutsche im Jahresschnitt. Bioware aus Deutschland ist selten und deshalb gefragt. "Der ökologische Gedanke spielt bei unseren Stammkunden eine große Rolle", sagt Maike Carstens, 30. Wie ihre drei Geschwister arbeitet auch sie im elterlichen Betrieb. Nach einer Ausbildung zur Großhandelskauffrau und einem Betriebswirtschaftsstudium in Kiel und Hamburg ist sie jetzt zuständig für Vertrieb und Marketing. "Für gesunde Ernährung habe ich mich schon immer interessiert«, sagt sie, »das wurde uns in die Wiege gelegt."

Ihr Vater war einer der Bio-Vorreiter in dieser Gegend. Rainer Carstens stellte den Westhof, den er 1978 von seinem Vater übernommen hatte, 1989 auf biologischen Landbau um. Sein Nachbar Dörscher, dessen Familie seit gut 150 Jahren Landwirtschaft in Dithmarschen betreibt, schaute sich das ein paar Jahre an und dachte zunächst: "Was macht der Rainer da? Ohne Tiere? Der hat ja den ganzen Winter nichts zu tun." Er selber merkte, dass er Jahr für Jahr mehr spritzte, um die Erträge zu halten. 2002 taten sich Carstens und Dörscher zusammen. Heute haben sie rund 1.000 Hektar unterm Pflug. Westhof Bio ist damit einer der größten Bio-Gemüsebetriebe in Deutschland. Er beschäftigt 110 Mitarbeiter, davon 20 im Gewächshaus, und noch mal so viele Saisonkräfte.

Der Ackerbau ist eine zyklische Form des Wirtschaftens, abhängig von den Jahreszeiten. Aber auch energetisch denken Carstens und Dörscher in Kreisläufen. ›Energieneutralität‹ haben sie sich zum Ziel gesetzt. "Wir schaffen es in diesem Jahr", sagt Carstens. Zum ersten Mal wird der Westhof alle Energie, die er verbraucht, selbst erzeugen. Kleegras aus eigenem Anbau sowie der Abfall aus Feldproduktion und Gemüsefrosterei liefern das Biogas fürs Blockheizkraftwerk. Die Abwärme aus der Frosterei hilft zusätzlich beim Beheizen des Gewächshauses.

Auf dem Trecker sitzen die beiden Agrarstrategen zum eigenen Leidwesen nicht mehr oft. Die Liebe zu Land und Beruf ist geblieben. Das Schönste dabei? "Vielleicht", sagt Dörscher, "wenn man an einem Frühjahrsabend über die Felder geht und das junge Grün der Möhren in der tiefstehenden Sonne leuchtet."

Wechseln zwischen Übersicht und Details
  • 271...

    Kredit

    Ab   p.a. eff.

    Erneuerbare Energien – Premium

    Mit Kredit und Tilgungszuschuss in Wärme investieren

    • ab -,-- %   effektiver Jahreszins
    • für alle, die Wärme aus erneuerbaren Energien nutzen wollen
    • Kredit bis zu 25 Mio. Euro pro Vorhaben mit attraktivem Tilgungszuschuss
CHANCEN - Podcast

KfW-Expertin Petra Bühner erläutert die fünf Hebel für eine Wärmewende.

Podcast anhören (8:15 Min.)

Gemeinsam lässt sich mehr verändern

Die Unternehmensgruppe Westhof Bio ist einer der größten Produzenten von Bio-Lebensmitteln in Deutschland. Ihr CO2-neutrales Bio-Gewächshaus ist ein riesiger Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen, ressourcen- und energieneutralen Erzeugung von Bioprodukten.

Video anzeigen (1:48 Min.)

Energieeffizienz

Setzen Sie auf Energieeffizienz - mit einer Förderung für Gebäude und Produktionsanlagen

Zum Förderangebot für Energiesparer

Wir fördern Deutschland

Themenheft Klima und Umwelt

Download

Kontakt

Redaktion CHANCEN

Bernd Salzmann (V.i.S.d.P.)

Palmengartenstr. 5-9

60325 Frankfurt am Main

E-Mail

chancen-redaktion@kfw.de

Sie möchten mit uns über Themen aus dem Magazin diskutieren oder haben Fragen? Dann schreiben Sie uns bitte gerne!

Animationsfilm

Ein etwas anderer Blick auf das Thema Energieeffizienz...

Video anzeigen (1:53 Min.)

Energieeffizienz in Unternehmen

Weiterdenker wissen, wann sich Energieeffizienz lohnt. Sofort.

Spot anschauen (0:35 Min.)

Interaktives Firmengebäude

Am Gebäude oder in der Produktion - Die Einsparpotenziale in vielen Unternehmen sind enorm.

Jetzt ansehen