Tipp: Aktivieren Sie Javascript, damit Sie alle Funktionen unserer Website nutzen können.

Mehr als ein Graben zu überwinden

Bisher gilt in der Energiewende: Eine Brückentechnologie ist, was den erneuerbaren Energien den Weg ebnet. Doch die Energiewende ist komplexer geworden. Nachdem der Ausbau der Erneuerbaren bereits gut fortgeschritten ist, müssen jetzt auch andere Aspekte mehr Gewicht bekommen, vor allem Energieeffizienz, intelligente Energiesysteme und Innovationen. Der Begriff der Brückentechnologie erscheint dadurch in einem anderen Licht.

Nehmen wir zum Beispiel Gas. Gas gilt als Brückentechnologie Nummer eins für die Energiewende. Es ist die fossile Technologie, die am ehesten mit den erneuerbaren Energien und dem Klimaschutz kompatibel ist: effizient, emissionsarm, flexibel. Solange die Erneuerbaren die Energieversorgung nicht zu jedem Zeitpunkt allein sichern können, sollen Gaskraftwerke einspringen. Eine Technologie mit Verfallsdatum also, nützlich und notwendig, aber nicht von Dauer. Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien, Gas ist "nur" die Brückentechnologie. Die Einschätzung, was Brückentechnologie ist und was nicht, kann sich ändern. In den 1950er und 1960er Jahren galt Atomkraft für viele als Zukunftstechnologie, die alle Energieprobleme lösen würde: unbegrenzt, günstig, sauber. Nach der Katastrophe von Tschernobyl 1986 wurde die Atomkraft von ihren Befürwortern noch als Brückentechnologie verteidigt. Seit Fukushima 2011 ist dies – zumindest in Deutschland – nicht mehr haltbar. Die einstige Zukunftstechnologie soll auch nicht mehr als Brücke in das Zeitalter der erneuerbaren Energien dienen.

Andreas Kuhlmann
Andreas KuhlmannVorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur (Dena)

Die Energiewende ist ein komplexer, langfristiger Transformationsprozess. Wir mögen uns über die Ziele für das Jahr 2050 im Klaren sein – 80 Prozent weniger CO2-Emissionen, 80 Prozent Anteil erneuerbare Energien, 50 Prozent weniger Primärenergieverbrauch. Aber mit welchen Technologien wir dorthin gelangen, können wir heute nicht genau wissen. Es geht jedenfalls nicht darum, eine einzige große Brücke zu überqueren und dann stehen zu bleiben, wie dies bei der Brückentechnologie Gas vielleicht anklingt. Es wird im Laufe der Energiewende viele verschiedene Gräben und Schluchten geben, die wir überwinden müssen – manche dieser Hindernisse sehen wir jetzt schon vor uns, andere werden sich erst noch zeigen. Wir werden viele Technologien brauchen, die aufeinander aufbauen und sich zu einem großen Ganzen zusammenfügen. Brückentechnologien ebnen nicht nur den Weg in die Zukunft, sie sind ein Teil von ihr.

Die Energiewelt besteht aus vielen Teilen. Wir müssen lernen, diese Teile miteinander zu verbinden und aufeinander abzustimmen. Es geht um intelligente Netze und Systeme, um die Verknüpfung von Erzeugung, Speicherung und Verbrauch, von Strom, Wärme und Verkehr. Digitalisierung wird hier eine große Rolle spielen. Innovative Unternehmen sind jetzt gefragt, die ihre Chancen erkennen und neue Geschäftsfelder erschließen. Und eine Politik, die auf die Trends reagiert und geeignete Rahmenbedingungen schafft. Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen wird nicht immer einfach sein; es wird, wie bisher, heftige Debatten geben. Aber wenn wir uns den Herausforderungen gemeinsam stellen, auf unsere Innovationskraft setzen und den Dialog suchen, werden wir auch wieder mehr Zuversicht und Begeisterung für das Generationenprojekt Energiewende entwickeln. Der Moment ist günstig, um neuen Schwung aufzunehmen. Auch international ist viel in Bewegung. In der Klimapolitik scheinen wir den Punkt zu erreichen, wo es kein Zurück mehr gibt. Auf dem G7-Gipfel haben die großen Industrienationen bekräftigt, dass sie den Anstieg der Erderwärmung auf zwei Grad begrenzen wollen. Dafür soll die Weltwirtschaft im Laufe des Jahrhunderts dekarbonisiert werden. Das bedeutet langfristig die Abkehr von kohlenstoffhaltigen Energieträgern. Die Bundesregierung wiederum hat ihr Klimaschutzziel erneut bekräftigt und mit weiteren Maßnahmen versehen. Das sind positive Signale für den Klimagipfel in Paris – und für die Energiewende in Deutschland. Es liegt an uns allen, darauf aufzubauen.

CHANCEN - Podcast

KfW-Expertin Petra Bühner erläutert die fünf Hebel für eine Wärmewende.

Podcast anhören (8:15 Min.)

Wir fördern Deutschland

Themenheft Klima und Umwelt

Download

Kontakt

Redaktion CHANCEN

Bernd Salzmann (V.i.S.d.P.)

Palmengartenstr. 5-9

60325 Frankfurt am Main

E-Mail

chancen-redaktion@kfw.de

Sie möchten mit uns über Themen aus dem Magazin diskutieren oder haben Fragen? Dann schreiben Sie uns bitte gerne!