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Schutz durch Schulen und Straßen

Wie sich Entwicklungszusammenarbeit und Hochwasserschutz optimal vereinen lassen, sieht man in Bangladesch.

Text: Christoph Zeiher

Das Leben in Bangladesch ist bestimmt vom Wasser. Durchzogen von vielen Flüssen und nur wenige Meter über dem Meeresspiegel gelegen, ist die südostasiatische Region Naturkatastrophen beinahe schutzlos ausgeliefert. Das Land ist zudem eines der am dichtesten besiedelten der Erde. Auf einem Gebiet nicht einmal halb so groß wie Deutschland leben hier mehr als 160 Millionen Menschen. Entwicklungszusammenarbeit unter diesen Bedingungen dient in erster Linie dem Schutz von Menschenleben.

Im Südwesten Bangladeschs, unweit der indischen Grenze, teilt der Chitra River den tropischen Wald. 150.000 Menschen leben an den Ufern, darunter viele Kinder, die den Strom tagtäglich überqueren müssen, um zur Schule zu gelangen. Auf wackeligen Stegen, schlammigen Pfaden und maroden Booten ist das vor allem in der Regenzeit ein gefährlicher Weg. Daher hat die KfW gemeinsam mit der Asiatischen Entwicklungsbank hier den Bau einer 90 Meter langen Brücke finanziert.

 Schulkinder stehen mit ihren Heften vor die Brust gehalten hinter ihren Tischen in der Schule
Neue Schulen verbessern das Bildungsangebot im kinderreichen Bangladesch

Brücken tragen ebenso wie neue Straßen, Entwässerungskanäle und Deichbefestigungen auf unterschiedliche Art und Weise zur Entwicklung des Landes bei. So schützt in der Millionenstadt Khulna beispielsweise die neue River Front Road – ebenfalls von der KfW finanziert – den südlichen Teil der Stadt mit seinen etwa 200.000 Einwohnern vor Fluten, bindet arme Außenbezirke an die Metropole an und gewährt zugleich Schutz für einen Markt direkt hinter dem Damm. Investitionen in Infrastruktur sind wichtig, um zu verhindern, dass gerade ärmere Familien in der Regenzeit ihr gesamtes Hab und Gut an die Fluten verlieren. Allerdings wird Bangladesch auch immer wieder von unberechenbaren Naturkatastrophen heimgesucht. Seit den 1960er Jahren wurden etwa eine halbe Million Menschen durch Wirbelstürme getötet, viele Dörfer komplett zerstört. Der letzte schwere Zyklon traf 2007 mit 215 Kilometern in der Stunde auf die Südküste. Und die Häufigkeit und Intensität von Naturkatastrophen wird nach Einschätzung von Experten noch weiter zunehmen.

Seit 1991 gibt es verstärkte Bemühungen zum Schutz vor Zyklonen. Seitdem hat die Bundesregierung der Regierung Bangladeschs über den Geschäftsbereich KfW Entwicklungsbank 52 Millionen Euro für rund 450 Schutzbauten an der Küste bereitgestellt. Je 800 bis 1.000 Menschen finden bei Gefahr in diesen Gebäuden Zuflucht.

Arbeiter bauen an einer Straßen in Bangladesh.
Straßen werden jetzt so gebaut, dass sie wie Dämme vor Hochwasser schützen können.

Ein besonderer Vorteil der neuen Zyklonbauten: In „normalen Zeiten“ werden sie als Grundschulen genutzt. Baufällige Schulgebäude konnten auf diese Weise ersetzt und mit neuen Möbeln ausgestattet werden. Damit bieten sie nicht nur Schutz vor den Fluten, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung des Bildungsangebots in Bangladesch.

„Die Schutzbauten bieten den Menschen eine doppelte Daseinsvorsorge: Sie sind Überlebensgarantie bei Katastrophen und eine Investition in Bildung und Zukunft der Kinder“, bestätigt KfW-Projektmanager Johannes Scholl. Seit einiger Zeit finanziert die KfW aber auch Zyklonbauten, die nicht als Schulen, sondern als Markthallen dienen. Diese können einen starken Impuls für die lokale Wirtschaft liefern. Durch die erneuerte Infrastruktur können Güter einfacher an- und abtransportiert werden, außerdem steigt die Sicherheit der Händler und der Marktbesucher im Falle von Hochwasser.

Hochwasser macht Kindern den Weg zur Schule oft unmöglich

Auch die Brücke über den Chitra River ist eine Investition in die Zukunft. Mit ihr wurde die Uferstraße erhöht, so dass der Verkehr nun Überschwemmungen und Stürmen standhalten kann. Dank der neuen Infrastruktur kommen Anwohner schneller zur Arbeit und erreichen das Krankenhaus besser. Außerdem ermöglicht die Brücke Kindern, trocken zur Schule zu kommen – ganz ohne nasse Bücher und schlammige Kleider. Ein paar Meter Beton bedeuten hier ein großes Stück Fortschritt.

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