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Wirksame Förderung im Negativzinsumfeld

  • KfW stellt Förderung zukunftsgerichtet auf und bereitet sich auf Weitergabe negativer Zinsen an Finanzierungspartner vor
  • Bankenkonferenz in der KfW in Frankfurt bringt alle Akteure zusammen

Um auch in Zeiten des anhaltenden Negativzinsumfelds ihrem Förderauftrag optimal nachkommen zu können, bereitet sich die KfW aktuell darauf vor, einen negativen Bankeneinstand – also negative Zinsen für die Durchleitungsbanken - für alle ihre inländischen Förderprodukte einzuführen. Die Umsetzung erfolgt schrittweise und in Absprache mit den Finanzierungspartnern.

Für förderpolitisch besonders anspruchsvolle Programme hat die KfW derzeit eine Übergangslösung entwickelt, die im 1. Quartal 2020 umgesetzt werden soll. Die KfW will so gesellschaftlich und politisch gewünschte Veränderungen zügig anstoßen. Diese Übergangslösung sieht einen Zuschuss vor, den die KfW direkt zusagt, nachdem der Kunde einen Kredit bei der Hausbank beantragt und erhalten hat. Eingeführt wird sie für eine neue Klimaoffensive Mittelstand, die „Investitionsförderung für Kommunale Unternehmen“ sowie das „ERP-Digitalisierungs- und Innovationsprogramm“.

Die Übergangslösung endet, sobald der negative Bankeneinstand für alle inländischen Förderprogramme eingeführt wird. Das wird voraussichtlich im Laufe des Jahres 2020 stattfinden.

Der Förderkredit im Negativzinsumfeld

KfW-Vorstandsvorsitzender Dr. Günther Bräunig erläutert die Möglichkeiten einer wirksamen Förderung im Negativzinsumfeld.

(13. November 2019)

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Bankentagung im November 2019 - Gemeinsam gute Lösungen erarbeiten

Wie wirksame Förderung im aktuellen Zinsumfeld gestaltet sein muss, welche Rolle Zuschüsse als Übergangslösung spielen und welche Herausforderungen zu meistern sind, diskutierten am 13. November 2019 Vertreterinnen und Vertreter von Förder- und Geschäftsbanken sowie Sparkassen bei der KfW-Bankentagung „Der Förderkredit im Negativzinsumfeld“. Neben der Klärung volkswirtschaftlicher und juristischer Fragestellungen waren auch die nötigen Umstellungen der Banken-IT Thema der Veranstaltung.

In seiner Keynote erläuterte KfW-Vorstandsvorsitzender Dr. Günther Bräunig zunächst Vorteile und Erfolge der Förderung. Den Schritt der KfW, die günstigen Refinanzierungskosten der KfW über einen sog. negativen Bankeinstand an die Durchleitungsbanken weiterzugeben, begründete er mit einem Beispiel aus der Unternehmensfinanzierung: Wenn ein Mittelständler derzeit bei der Bank Verwahrzinsen zahlen müsse, dann gebe es keinen Grund, dass er bei der Kreditaufnahme nicht vom gesunkenen Zinsniveau profitiere. „Wir müssen also dringend umstellen. Aus heutiger Sicht bedeutet das aufgrund der Kreditmarge der Banken immer noch Positivzinsen für kleine und mittlere Unternehmen. Bei weiter sinkenden Marktzinsen würde ich aber Negativzinsen für KMU nicht ausschließen wollen“, so Dr. Bräunig.

Die KfW werde die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um ihre günstige Refinanzierung auch mit negativen Zinssätzen an ihre Kunden weiterleiten zu können, denn das sei Teil des Förderauftrags der KfW. „Der Förderkredit zu Negativzinsen ist notwendig im Interesse des Mittelstands, im Interesse aller Kreditnehmer, die Förderung für ihre Aufgaben verdienen“, so Dr. Bräunig.

„Nur wenn wir im jeweiligen Marktumfeld attraktive Zinsen bieten können, bleiben die wichtigsten Vorteile des Förderkredits bestehen“, bekräftigte auch KfW-Vorstandsmitglied Dr. Ingrid Hengster in der Paneldiskussion. Sie stellte die Pläne der KfW für einen negativen Bankeneinstand konkret vor und erläuterte die dahinter liegende Methodik, auf die sich KfW und Finanzierungspartner als gemeinsamen Standard verständigt haben. „Wann genau der negative Bankeneinstand umgesetzt werden kann, mit all den IT-technischen Herausforderungen, die in Banken damit verknüpft sind, besprechen wir alle aktuell miteinander“, erläuterte Dr. Hengster. Der Zeitplan der Einführung werde in enger Abstimmung entwickelt, damit alle gemeinsam in die neue Methodik „hineinwachsen können“.

Statement von Dr. Friederike Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW

„Für Finanzierungs- und Investitionsentscheidungen sind Realzinsen ausschlaggebend. Diese sind am deutschen Kapitalmarkt schon seit 2016 negativ. Auch beim US-Dollar war das in der Vergangenheit schon häufiger der Fall. Negative reale Zinsen sind also nicht wirklich neu. Seit dem Früh­sommer sind jetzt allerdings auch die nominalen Zinsen fast über die gesamte Zinsstrukturkurve unter null gerutscht – bei deutschen Staatsanleihen und am Euro-Swapmarkt. Das ist für jedermann sichtbar. Da zu den Gründen auch strukturelle Faktoren zählen, ist es wahrscheinlich, dass uns dieses Umfeld noch eine Zeit begleitet.

Diesen Realitäten stellt sich die KfW, indem sie es ermöglicht, ihre günstigen Refinanzierungsbedingungen auch in diesem Umfeld weiterzugeben – um nach wie vor optimal fördern zu können.

Der Hauptgrund für KfW-Förderung ist unabhängig vom Zinsniveau. Denn die KfW wird aktiv, wenn der Markt unzureichende Ergebnisse erzielt. Beispiel Klimaschutz: Ein stabiles Klima ist ein öffentliches Gut. Der Markt reflektiert das nicht. Zinsen für die Finanzierung von Investitionen, die einen posi­tiven Beitrag zum Klimaschutz leisten, sind ohne Förderung genauso hoch wie andere. Das ist unabhängig davon, ob Kapitalmarktzinsen bei 5 %, 0 % oder -1 % notieren. Anderes Beispiel: Zinsverbilligte Kredite für den Mittelstand, der wegen asymmetrischer Informationen bei der Refinanzierung relativ schlecht wegkommt, behalten im Negativzinsumfeld ebenfalls ihre Berechtigung. Oder auch günstige Darlehen für Innovatoren, die stets nur einen Teil der Renten ihrer Neuerungen einstreichen können, bleiben sinnvoll.

Fazit: Förderbanken und Förderkredite sind auch im Negativzinsumfeld angesagt!“

Beispiel für einen effektiven Negativzins in der KfW-Förderung

Mit dem sogenannten negativen Bankeneinstand hat die KfW den Förderkredit strukturell zukunftsgerichtet aufgestellt. Falls das Zinsniveau weiter absinkt und sich daraus der Bedarf bzw. die Notwendigkeit ergeben sollte, sind ggf. in Zukunft auch negative Kundenzinsen denkbar.

In einigen ausgewählten Fällen erhalten Kunden schon jetzt Negativzinsen, auch wenn es auf den ersten Blick nach außen noch nicht sichtbar ist: Im Programm „Energieeffizient Bauen und Sanieren“ liegt der Effektivzins wirtschaftlich betrachtet bei typischer Laufzeit (und einem Tilgungszuschuss von 27,5%) zwischen -6% und -7%. Im Extremfall liegt er (bei kürzerer Laufzeit von 4 Jahren) sogar bei -13,2%.

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