Tipp: Aktivieren Sie Javascript, damit Sie alle Funktionen unserer Website nutzen können.

Aufbau Ost

Seit dem Mauerfall haben die Menschen in der ehemaligen DDR viel geleistet und viel erreicht – auch mit Hilfe der KfW. Über 194 Mrd. Euro hat die KfW seit 1990 als Darlehen für Existenzgründer, die Modernisierung des Wohnungsbestandes und die Sanierung der kommunalen Infrastruktur vergeben. Gut angelegte Gelder – denn heute gibt es wieder einen gesunden Mittelstand, schmucke Innenstädte und eine moderne Infrastruktur.

Interview mit KfW-Direktor Werner Genter

Werner Genter war Leiter des ersten KfW-Beratungszentrums im Osten Berlins. Ein Gespräch über die KfW, den Wiederaufbau und den Duft der DDR.

Interview lesen

Blick zurück

Die KfW war von Anfang an dabei

Am 9. November 1989 fällt in Berlin die Mauer und in Frankfurt werden erste Überlegungen angestellt, wie die KfW das Zusammenwachsen zweier völlig unterschiedlicher Wirtschaftssysteme unterstützen kann. Bereits eine Woche später, am 16. November 1989, entstehen erste Konzepte.

Anfangs schienen Joint Ventures von westdeutschen Unternehmen und ostdeutschen Kombinaten ein geeigneter Weg, um sich wirtschaftlich näher zu kommen. Bereits um die Jahreswende 1989/1990 erreichten die KfW erste Finanzierungsanfragen für Ost-Westdeutsche Gemeinschaftsunternehmen. Doch nachdem im Frühjahr 1990 die Weichen für die staatliche Einheit gestellt wurden, waren die geplanten Joint Ventures bereits überholt und die KfW-Förderung nahm sehr schnell konkretere Formen an.

126 Mrd. EUR für Unternehmen und Kommunen

Im Februar 1990 begann die KfW über das Modernisierungsprogramm des ERP-Sondervermögens und ab Juli über ihr eigenes Mittelstandsprogramm, Kleinbetrieben in der DDR zu helfen. Auch die ehemaligen Kombinate konnten ab Juni 1990 über das KfW-Anschubprogramm ihre dringendsten Investitionen finanzieren. Parallel dazu förderte die Deutsche Ausgleichsbank, die 2003 mit der KfW fusionierte, die Gründung mittelständischer Unternehmen. Diese finanzielle Unterstützung war sehr wichtig – mindestens genauso wichtig war jedoch auch die Beratung. Und so errichtete die KfW im März 1990 ihr erstes Beratungszentrum im Berliner Hotel Metropol in der Friedrichstraße. Insgesamt hat die KfW seit 1990 104 Mrd. Euro für die gewerbliche Wirtschaft zugesagt.

Programm der Superlative

Am augenscheinlichsten war der Beitrag der KfW in der Wohnungswirtschaft. Im Oktober 1990 wurde das Wohnraummodernisierungsprogramm aufgelegt, das sich sehr schnell zu einem Programm der Superlative entwickelte und in den Folgejahren immer wieder aufgestockt wurde. Anfangs waren es vor allem private Hausbesitzer, die mit viel Eigenleistung und den günstigen KfW-Krediten ihre Häuser instand setzten. Später kam auch die Modernisierung der Plattenbauten in Gang, nachdem die Frage der Altschulden geklärt war. Bis heute flossen 68 Mrd. Euro von der KfW in die Modernisierung und Sanierung von Wohnungen, damit konnten mehr als 65 Prozent aller Wohnungen in Ostdeutschland saniert werden.

Späte Erfolge des Marshallplans

Möglich waren diese großen Erfolge auch, weil die KfW auf vorhandene und bewährte Förderprogramme und auf noch erhebliche Mittel aus dem amerikanischen Marshallplan zurückgreifen konnte. Während die Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg den Ostblock-Staaten untersagte, die Hilfsgelder aus dem Marshallplan in Anspruch zu nehmen, wurden die Gelder in Westdeutschland als Kredite für den Wiederaufbau ausgezahlt. Die im Laufe der Jahre zurückgeflossenen Summen wurden langfristig im ERP-Fonds angelegt und standen nun auch dem Wiederaufbau in der DDR zur Verfügung.

Auf diese Weise sind mehr Gelder aus dem Marshallplan in die neuen Länder geflossen sind als in die alten Länder. Während der Wiederaufbau in der Bundesrepublik mit 1,89 Mrd. EUR aus dem Marshallplan finanziert wurde, flossen in die neuen Länder 9,71 Mrd. EUR.

Neuer Mittelstand

Die beiden ersten Kreditnehmer waren Wolfgang Neustadt und Hans-Jürgen Hentzschel – sie sind auch heute noch mit ihren Bauunternehmen erfolgreich.

Die KfW unterstützt kleinere und mittlere Unternehmen

Anfang der 1990er-Jahre wurde in der ehemaligen DDR pro Einwohner weniger als halb so viel erwirtschaftet wie in der alten Bundesrepublik. Keine Frage, dass die Wirtschaft auf Trab gebracht und ein neuer Mittelstand aufgebaut werden musste. Die KfW war von Anfang an dabei.

Kaum war die Mauer gefallen, da hatten die KfW-Volkswirte schon erste Ansätze entwickelt, wie man eine wirtschaftliche Annäherung in beiden Teilen Deutschlands unterstützen könnte. Joint Ventures von westdeutschen Unternehmen und ostdeutschen Kombinaten schienen zunächst eine gute Idee, und die ersten Finanzierungsanfragen erreichten die KfW dann auch bereits um die Jahreswende 1989/90. Doch die rasante politische Entwicklung überholte sehr bald diese geplanten Joint Ventures, die fast alle von dem Fortbestand zweier deutscher Staaten in zwei Wirtschaftsblöcken ausgingen. Mit den Volkskammerwahlen in der DDR im Frühjahr 1990 waren die Weichen für einen Beitritt zur Bundesrepublik gestellt.

Das A und O der Marktwirtschaft

Danach nahmen die Förderaktivitäten der KfW sehr schnell konkretere Formen an. Von Anfang an war klar, dass ein leistungsfähiger Mittelstand für den Aufbau Ost unverzichtbar ist – sozusagen das A und O für eine funktionierende Marktwirtschaft. Die Voraussetzungen schienen nicht besonders günstig, war doch der gewerbliche Mittelstand in der DDR spätestens in den 1970er-Jahren systematisch zerstört worden. Umso erfreulicher ist es, mit wie viel Enthusiasmus, Eigeninitiative und letztlich auch Erfolg sich viele Ostdeutsche auf das Abenteuer Unternehmertum und Marktwirtschaft eingelassen haben.

Bereits im Februar 1990 begann die KfW über das ERP-Modernisierungsprogramm und später über ihr eigenes Mittelstandsprogramm, Kleinbetrieben in der DDR zu helfen.

104 Mrd. Euro Förderkredite

Dennoch ging der Aufbau eines Mittelstands in den neuen Ländern zügig voran. Während die Deutsche Ausgleichsbank (DtA) die Gründung neuer mittelständischer Betriebe förderte, unterstützte die KfW die Modernisierung mittelständischer Unternehmen. Wichtigstes Instrument war dabei das ERP-Aufbauprogramm. Insgesamt hat die KfW seit 1990 für die gewerbliche Wirtschaft in den neuen Ländern einschließlich Berlin rund 104 Mrd. EUR zugesagt.

Daten und Fakten

Förderauftakt 14. Februar 1990

Modernisierungsprogramm des ERP-Sondervermögens für den Mittelstand

Förderbilanz (Stand: 31.08.2015)

104 Mrd. EUR (inkl. Refinanzierung von Förderdarlehen der Landesförderinstitute)

Sanierungsboom

Altbau in Ostdeutschland – vor der Sanierung ...

... und nach der Sanierung. Dank günstiger KfW-Kredite wurde viel alte Bausubstanz gerettet und der Wohnstandard deutlich erhöht.

Über 65 Prozent der Wohnungen im Osten mit KfW-Förderungen saniert

Viele Städte in der DDR boten das gleiche Bild: Die historischen Innenstädte verfielen systematisch, die Menschen wohnten in Plattenbauten am Stadtrand, die im Laufe der Jahre nicht weniger marode wurden. Bald nach der Wende legte die KfW zinsgünstige Darlehensprogramme auf, um den Menschen die Chance zu geben, endlich ihre Wohnsituation zu verbessern und historische Bausubstanz zu retten. Bereits nach wenigen Jahren war jede zweite Wohnung in den neuen Ländern mit KfW-Geldern saniert.

1990 legte die KfW ihr Wohnraummodernisierungsprogramm für die neuen Länder auf - zunächst über 5 Mrd. EUR, doch schon bald wurde es deutlich aufgestockt. Die von der KfW finanzierten Investitionen verbesserten in kurzer Zeit den Wohnkomfort und damit einen wesentlichen Teil des Lebensstandards von vielen Millionen Menschen. Zugleich hatte das Programm positive Auswirkungen auf den neu entstandenen Mittelstand: Für viele Handwerksbetriebe waren über Jahre Aufträge und Beschäftigung gesichert. Und auch die Umwelt profitierte von den Modernisierungsmaßnahmen in der Wohnwirtschaft. Denn fast immer wurde durch bessere Wärmedämmung und modernere Heizungstechnik Energie eingespart

Privat und Platte

Am Anfang waren es vor allem viele private Hausbesitzer, die die zinsgünstigen Kredite aus dem KfW-Programm in Anspruch nahmen. Endlich konnten die Eigenheimbesitzer im Osten wieder ihre Häuser instand setzen und herausputzen. Dementsprechend veränderten sich bald die Ortsbilder und mehr und mehr schmuck renovierte und schön hergerichtete Häuser stachen aus den grauen Häuserzeilen hervor. Ab 1993 erhielt auch die Modernisierung der Plattenbauten einen erheblichen Auftrieb, nachdem Eigentumsfragen und die Problematik der Altschulden geklärt waren.

Energetische Sanierung

Dennoch ging der Aufbau eines Mittelstands in den neuen Ländern zügig voran. Während die Deutsche Ausgleichsbank die Gründung neuer mittelständischer Betriebe förderte, unterstützte die KfW die Modernisierung mittelständischer Unternehmen. Wichtigstes Instrument war dabei das ERP-Aufbauprogramm. Insgesamt hat die KfW seit 1990 für die gewerbliche Wirtschaft in den neuen Ländern einschließlich Berlin rund 104 Mrd. EUR zugesagt.

Aber bis heute bleibt noch weiterhin viel zu tun: Die vielen neuen Unternehmen sind im Schnitt noch zu klein und müssen gestärkt werden. Da Unternehmen jedoch überall die gleichen Probleme haben, fördert die KfW nicht mehr nach Ost und West, sondern unterstützt gezielt die Unternehmen, die es am Kapitalmarkt besonders schwer haben: kleine Mittelständler oder junge innovative Unternehmen beispielsweise.

Daten und Fakten

Förderauftakt 14. Februar 1990

Modernisierungsprogramm des ERP-Sondervermögens für den Mittelstand

Förderbilanz (Stand: 31.08.2015)

104 Mrd. EUR (inkl. Refinanzierung von Förderdarlehen der Landesförderinstitute)

Infrastruktur

Die KfW fördert Umweltinvestitionen der Kommunen

Der "typische DDR-Duft" ist verschwunden – ein Resultat von fast drei Jahrzehnten Investitionen in Abfallwirtschaft, Energieeinsparung, Wasserbau, Lärmschutz und Luftreinhaltung. Die Bundesregierung beauftragte nach der Wende die KfW, mit zinsverbilligten Darlehen die rasche Sanierung der Infrastruktur in Gang zu bringen. Heute ist die Infrastruktur im Osten wieder in Ordnung, vielfach moderner als im Westen – die beste Grundlage für die weitere Entwicklung.

Zur Zeit der Wende war die Infrastruktur der DDR in einem schlimmen Zustand. Die Flüsse waren so stark belastet, dass nur 20 Prozent für die Trinkwassergewinnung mit normalen Aufbereitungstechnologien nutzbar waren. Nur knapp 58 Prozent der Haushalte waren überhaupt an eine Kläranlage angeschlossen. Auch Industriebetriebe entwässerten oft ungeklärt in die Flüsse. Ähnlich sah es mit der Belastung der Luft aus. Beim Aussenden von Schwefeldioxid pro Flächeneinheit rangierte die DDR an erster Stelle in Europa.

Bereits im Februar 1990 wurden die Umweltkreditprogramme des ERP-Sondervermögens, später auch die Umweltschutzprogramme der KfW in den neuen Ländern gestartet. Im September 1990 schließlich verkündete die Bundesregierung ihr "10 Milliarden-DM-Kommunalkreditprogramm" und beauftragte die KfW und die 2003 mit der KfW fusionierten Deutschen Ausgleichsbank (DtA), mit zinsverbilligten Darlehen Investitionen der Gemeinden zu fördern.

22 Mrd. Euro für die Infrastruktur

Insgesamt 22 Mrd. EUR hat die KfW seitdem ausgereicht. Die Erfolge lassen sich täglich in den neuen Ländern riechen und schmecken. Die Luftbelastung hat sich massiv reduziert, bereits in den ersten zehn Jahren sind die Schwermetall-Emissionen um bis zu 90 Prozent zurückgegangen. Auch die hohe Abwasserbelastung der Flüsse hat drastisch abgenommen, inzwischen sind rund 90 Prozent der Haushalte an Kläranlagen angeschlossen.

Daten und Fakten

Förderauftakt 20. September 1990
Kommunalkreditprogramm

Förderbilanz (Stand: 31.08.2015)
22 Mrd. EUR (inkl. Refinanzierung von Förderdarlehen der Landesförderinstitute)

Kontakt

KfW Bankengruppe

Palmengartenstraße 5-9

60325 Frankfurt am Main

Telefon

+49 (0)69 74 31-0

Fax

+49 (0)69 74 31-29 44

E-Mail

info@kfw.de